Ost-West in Kiel

In Kiel haben wir ein besonderes, verkehrstechnisches Problem – die Kieler Förde. Wer vom Ostufer aufs Westufer (also die Innenstadt) gelangen will (und natürlich umgekehrt), muss einmal um die Förde herum fahren. Während auf dem Westufer die Fahrradwegstruktur entlang der Förde recht gut ausgebaut ist, ist dies auf der Ostuferseite entlang der ›Schönberger Straße‹ und übergehend in die ›Werftstraße‹ zum Teil leider nicht der Fall. Sollen aber wie auch durch die Stadt Kiel vorgegeben viele Menschen auf das Rad umsteigen, dann müssen schnelle Fahrradrouten angeboten werden – sonst wird das nichts!

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So könnte es aussehen. Auf beiden Seiten breite Fahrradspuren, farblich abgesetzt. 30 km Höchstgeschwindigkeit für Autos für gleichmäßigen Verkehrsfluss, weniger Abgase und Lärm und kaum Geschwindigkeitsunterschiede zu den Radfahrenden für optimalen Unfallschutz. (Werftstraße Richtung Hörn, bzw. Innenstadt, kurz hinter der Abzweigung Elisabethstraße. Rechts im Bild das Werftgelände, im Hintergrund ist der auf der anderen Seite der Förde stehende Rathausturm zu sehen.)

Die Diskussion ist ja bereits in Gange. Die ›Werftstraße‹ soll umgestaltet werden und schnelle Fahrradspuren angelegt werden. Dies wird allerdings bisher von den üblichen Verdächtigen mit den immergleich-einseitigen Nichtargumenten blockiert. Statt es richtig zu machen, pranken stattdessen große Schilder rechts und Links der Route, dass ›Fahrradfahrer auch die Fahrbahn benutzen dürfen‹. Allerdings benötigen Radfahrende bei diesem Akt mitunter starke Nerven, denn im Verständnis des Autoverkehrs gehört die Werft- und Schönberger Straße noch immer ihnen allein – trotz riesen Beschilderung.

Erstaunliche Selbstversuche

Wer allerdings mit dem Fahrrad einmal konsequent auf der Werftstraße und Schönberger Straße fährt, macht die wirklich erstaunliche Erfahrung, wie schnell die Strecke von der Höhe ›HDW-Einfahrt‹ in Gaarden bis zum ›Geomar‹ in Wellingdorf (in diesem Bereich existiert keine Radwegbenutzungspflicht) zurückgelegt werden kann. Ich habe es mehrfach getestet, zu unterschiedlichen Tageszeiten. Das Ergebnis hat mich absolut erstaunt, denn durch die vielen Ampelkreuzungen offenbart sich tatsächlich kein signifikanter Zeitvorsprung für Verbrennungsfahrzeuge gegenüber dem Fahrrad und somit gibt es für sehr viele schlaffe »Bequemos« auch kein Argument mehr pro Auto. Am Tag beispielsweise (Vormittags gegen 11:00 Uhr) fuhr ich die Strecke in nicht mal 10 Minuten, am Abend (gegen 21:00 Uhr) sogar in nur 7 Minuten – ohne zu rasen, wenngleich zügig.

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Auch hier die im Bild zuvor beschriebene Verkehrsführung. (Werftstraße Richtung Wellingdorf, etwa auf Parallelhöhe der Prinzenstraße). Bitte beachtet die Parksituation auf der linken Seite – hier ist der Fußweg komplett durch Autos zugeparkt. Fußgänger und Radlerinnen teilen sich einen viel zu schmalen Streifen, zudem besteht große Gefahr durch „Dooring-Unfälle“.

Genau hier liegt der Hund begraben. Die meisten Radlerinnen und Radler trauen sich nämlich nicht auf der Schönberger Straße und der Werftstraße zu fahren und radeln daher aus Furcht vor viel zu schnellen Autos auf den zum Teil sehr engen, holprigen und zugeparkten Geh/Radwegen – zwangsläufig im Slow-Modus. Bitte versteht mich nicht falsch – nicht dass ich etwas gegen Slow-Motion habe, im Gegenteil, aber manchmal ist eben auch zügig angesagt und könnte eine solche Fahrweise durchweg auf dieser Route umgesetzt werden, dann schmilzt das Entfernungmonster von Ost nach West zu einem Witz zusammen.

Nicht nur reden – machen!

Also Stadtplaner – tut endlich etwas! Zeigt, dass ihr »Mumm in den Knochen« habt und lasst den schönen Worten endlich Taten folgen! Wer predigt, dass das Klima geschützt, die Stadtluft von Stickoxyden etc. und Feinstaub befreit werden soll und die radfahrenden Menschen gesünder werden, der muss auch handeln. Stellt die konservativen Blockierer mitsamt ihrer Steinzeit-Verkehrsidelogie an den Pranger – wir sind dabei gern behilflich. Ich wette »sonstwas von« darauf, dass wenn die Wege erstmal da sind, dass sie auch eifrig und schnell zunehmend genutzt werden!

Macht jetzt die schnelle Ost-West-Verbindung in Kiel perfekt!! 

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Wollen wir nicht mehr sehen! Verschenkter Raum und Bevorzugung des stinkenden Verkehrs, welcher zudem auf der Route grundsätzlich viel zu schnell fährt – Tempo 70 ist hier durchweg Programm. Die Radstreifen sind viel zu schmal und in gefährlicher Konfrontnationsnähe mit den zu Fuß gehenden – eine Berührung und der Radler landet vor dem nächsten Tempo-70-Auto auf der Straße.
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Auch hier – Verkehrsplanung aus dem letzten Jahrhundert. In die Mülltonne damit.
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3 Kommentare zu „Ost-West in Kiel

    1. Klasse Polemik. Ich selbst bin die Strecke in beide Richtungen jahrelang mit dem Rad gefahren und kann bis heute nicht verstehen, warum man auf der Straße schneller sein soll. Auch auf dem Radweg bin ich nicht langsamer als auf der Straße. Dort bin ich aber kein Hindernis für die Autofahrer und bringe den Verkehr nicht zum Stocken, weil ich mich an der Schlange der wartenden Busse auf der linken Spur vorbei bewege. Wenn der Verkehr auf der Werftstrasse/ Schönberger Straße auch noch ausgebremst wird, kommt er in Kiel bald ganz zum Erliegen, wenn dazu dann mal wieder die B76 aufgrund eines Unfalls dicht ist. Freie Fahrt für Radfahrer ist gut, aber hier denkt ihr zu kurz.

      1. Vielen Dank für deinen Kommentar, auf den ich eingehen möchte. Ich denke, deine Schilderung entspricht nicht den Tatsachen, ich will sogar sagen, dass dies unmöglich ist. Du kannst auf einem Radweg, der in Teilen in schlechten Zustand ist, mehrere Flaschenhälse incl. entsprechenden, problematischen Begegnungen mit zu Fuß gehenden und Radgegenverkehr (er ist nämlich im Bereich der Werftstaße für beide Richtungen freigegeben, was auch nicht anders geht, da Teilweise arg schmal im Bereich HDW bis zur Esso-Tankstelle Richtung Wellingdorf), nicht genau so zügig fahren, als wenn du konsequent auf der Straße fährst, die in weiten Teilen einen viel besseren Belag hat. Nun Holger, und der entscheidende Punkt ist ja gerade, dass die Autos SICH SELBST, durch ihren enormen Raumbedarf, zudem in ca. 80 Prozent nur von einer Person besetzt, behindern – nicht die Radfahrenden oder Busse sind das Problem. Ein Umdenken beim fahrenden Menschen muss erfolgen aus vielen drängenden Gründen (Klimaschutz, Gesundheitsschutz, Umweltschutz, Stadtzufriedenheit und und und) – nur wird er bei all den Einzelfahrer-Bequemus nicht erfolgen, wenn dieser nicht in einer gewissen weise gelenkt wird. Und wie im Teil II gesagt, schaut nach Kopenhagen (und Amsterdam) – in Kopenhagen haben die Verkehrsplaner genau dies getan: Jeder Punkt in der Stadt MUSS mit dem Rad schneller erreichbar sein, als mit dem Auto. Das war die Ansage vor etwa 20 Jahren. Ergebnis (Auszug aus Wikipedia) heute: „Jeden Tag werden 1,27 Millionen Kilometer in Kopenhagen mit dem Fahrrad zurückgelegt. 36 % der Einwohner pendeln zur Arbeit, Schule oder Universität mit dem Rad. Darüber hinaus pendeln mehr Personen mit dem Rad in der Region mit Kopenhagen als Mittelpunkt, als beispielsweise in den ganzen USA zur Arbeit mit dem Rad fahren. Radfahren wird in Kopenhagen als gesünder, umweltfreundlicher, (auch volkswirtschaftlich) preisgünstiger und oft auch schnellere Form der Fortbewegung gegenüber Autoverkehr oder öffentlicher Verkehr eingestuft. Dies ist eine der Begründungen für das städtische Ziel von 2011, den Anteil der Radfahrer an den Pendlern bis 2015 auf 50 % zu steigern. (https://de.wikipedia.org/wiki/Radfahren_in_Kopenhagen)

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