Warum Critical Mass?

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Worum geht es eigentlich bei ›Critical Mass‹? Bei Critical Mass geht es um den urbanen Raum (städtischer Raum) und wie öffentlicher Raum (eben auch Straßenraum) aussehen und sich anfühlen könnte. Critical Mass setzt sich für eine höhere Lebensqualittät und eine menschenfreundlichere Stadt ein, denn heutzutage weiß man, wie man die Lebensqualität in Städten erhöhen kann. Die Förderung des Fuß- und Radverkehrs und stadtverträglicher Mobilitätsformen sind hierbei zentrale Instrumente.

mass_fahrenCritical Mass eine Form der »Reclaim the Streets«-Bewegung (Zurückgewinnen der Straße), die in Deutschland heutzutage auch unter die »Recht auf Stadt«-Initiativen kategorisiert werden kann. Critical Mass will diesen Stadtraum für einen kurzen Moment einmal im Monat zurückerobern und aufzeigen, wie es sein könnte. Stadtraum, der allen gehört und auf den alle Anspruch haben, ihn nutzen zu dürfen. Es geht also um die aktive Gestaltung der Umwelt, nicht das passiv-untergebene und lustlose Hinnehmen von Gegebenem, sondern darum, selbst anzupacken, zu verbessern und zu gestalten. Es geht um ›Stadt-machen‹.

Critical Mass ist immer auch das, was am letzten Freitag im Monat passiert. Was jeder und jede für sich und alle zusammen am Freitagabend daraus machen. Für manche ist es einfach nur ein »lebensfrohes Straßenfest, dass sich durch die Stadt bewegt« oder das Gemeinschaftsgefühl, an etwas großem Teil zu haben. Andere sind die schmalen & gefährlichen Radwege leid oder dass es in vielen Bereichen der Stadt keine gescheite Fahrradinfrastruktur für alle von 8-80 Jahren gibt. Verrückte Fahrräder? Seifenblasen? Verkleiden? Kekse? Irgendwas Kreatives? Ja gern! Alles ist drin, solange es positiv ist und für eine lebenswertere Stadt stehen kann.

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Weshalb das Fahrrad im Gegensatz des Autos der sinnvollste und vernünftigste Individualverkehr in der Stadt ist und daher Radfahrende zu respektierender Verkehr sind, sollen noch ein paar trockene Fakten verdeutlichen:

  • Die Länge der Strecken. Der Prozentsatz der Menschen, welcher das Auto dazu benutzt, um spontan oder überhaupt längere Stecken zurückzulegen, ist verschwindend gering. Die allermeisten Fahrten mit dem Auto geschehen auf Kurz-Strecken (in der Stadt sowieso), also auf Strecken, die spielend anders zurückgelegt werden könnten. Ein weiteres, eindrucksvolles Beispiel ist der Weg zur Arbeit – eine allseits beliebte Rechtfertigung für die eigene PKW-Nutzung: Eine Studie des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur belegt, dass ganze 24,6 Millionen der 30 Millionen pendelnden AutofahrerInnen ihren Arbeitsweg statt mit dem Auto beispielsweise auch mit dem E-Bike oder gar Fahrrad zurücklegen könnten, da 82 Prozent der pendelnden einen Arbeitsweg von unter 25 Kilometern und jeder zweite sogar weniger als zehn Kilometer zur Arbeit fährt.
  • Verhängnisvolle Emissionen. Wer ein Auto mit Verbrennungsmotor nutzt, fügt nicht nur sich selbst, sondern allen anderen Menschen und der Umwelt verheerende Schäden zu. Nicht nur, dass der Verkehr rund 20 Prozent der Treibhausgasemissionen verursacht, er macht langfristig alle schwer krank. Emissionen sind: Schwefeldioxid, SO2 (verätzt die Lunge und schädigt die Atmung), Kohlen(stoff)dioxid, CO2 (verdrängt Sauerstoff, spielt bei der Boden-Ozonentstehung eine große Rolle, ist als maßgebliches Klimagas für die Erderwärmung verantwortlich), Kohlen(stoff)monoxid, CO (farbloses, geruchloses und geschmackloses Lungengift, bei Überdosis tödlich), Stickoxide NOx (Säurebildner, Asthmaauslöser, allgemein umweltschädlich für Pflanzen, aber auch für Bauwerke), Benzol, C6H6 (höchstgiftig, erbgutschädigend, krebseregend), Rußpartikel (krebserregend). Nicht zu vergessen sind die Lärmemissionen, welche auf verschiedene Weisen krank machen, psychisch stark belasten und die Fauna aus der Stadt verdrängen.
  • Hohe Kosten. Jährlich entstehen auf deutschen Straßen Schäden in Höhe von 88 Milliarden Euro. Verursacht werden diese AUSSCHLIELICH von PKW und LKW! Nach dem Verursacherprinzip müssten die HalterInnen dieser Fahrzeuge den Schaden auch bezahlen – bisher bezahlt dies aber die Allgemeinheit durch ihre Steuerabgaben (es ist übrigens ein Märchen, dass diese Schäden durch die Mineralöl- und Kfz-Steuer repariert werden!). Am besten ginge dies hingegen aber tatsächlich über die Kfz-Steuer. Um aber alle Schäden abzudecken, würde dies allerdings dann pro Fahrzeug eine Mehrbelastung von ca. 2.100 Euro jährlich(!) bedeuten – wir wiederholen es noch einmal: für jedes Fahrzeug! Das dieser (gerechte) Fall nie eintreten wird, wird die Autolobby mittels ihrer finanziellen Möglichkeiten im Bereich der Politik schon sorgen. Und so zahlt weiterhin die gesamte Gesellschaft die Kosten für dieses Zerstörungswerk der AutofahrerInnen. Auch jeder Fußgänger und jede Fahrradfahrerin. Vielen Dank auch dafür!

Du siehst, es gibt viele gute Gründe, um selbst bei der Critical Mass dabei zu sein. Mach einfach bei der nächsten Fahrt mit und setze auch Du ein Zeichen für die Vernunft! Du erhälst – und das versprechen wir Dir – ein vollkommen neues Lebensgefühl!

Immer noch wird der Radverkehr (nicht nur) in Kiel weggedrängt und kann sein Potential, damit die Stadt lebenswerter und schöner wird, nicht ausspielen.

Das muss sich ändern – reclaim the streets!