Wir dürfen das!

Wir dürfen das! Selbst wenn wie hier, auf der Schönberger Straße, alle paar hundert Meter solche Schilder stehen, wird radelnder Mensch bepöbelt, geschnitten und weg-gehupt.

Stupidität hat die deutschen Straßen fest im Griff. Leider. Ein tumber Haufen Testosteron-gesteuerten und lernresitenten Bodensatzes zertrampelt verlässlich alle zarten Pflänzchen einer sich entfaltenden Umsicht und Vernunft im allgemeinen Miteinander des Straßenverkehrs. Alles, was diese »Vernunftbefreiten mit Führerschein« als Behinderung ihrer eigenen, oft grenzen- und zügellosen Freiheitsausübung als Bedrohung wahrnehmen – und sei es nur der vor ihnen radelnde Mensch –, wird terrorisiert. RadfahrerInnen werden geschnitten, weg-gehupt, bepöbelt, absichtlich gefährdet, umgefahren und manchmal eben auch getötet. Wer auf deutschen Fahrbahnen keine Knautschzone hat, lebt dank der verlässlichen Existenz dieser hirnlosen Steinzeitmenschen gefährlich. Und so waren die kritischen Massen in Deutschlands Städten nie so wichtig, wie heute. Wir müssen rauf aufs Rad und rauf auf die Fahrbahn – und zwar wirklich in Massen! Wir müssen aufstehen und für unser Recht, was nicht selten mit unserem Überleben einhergeht, kämpfen. Komm auch du zur Critical Mass!

Wir alle kennen diese Situationen. Du fährst mit deinem Rad auf der Fahrbahn, während sich neben dir ein Fahrradweg befindet. Schon hast du die Arschkarte gezogen, denn solide darfst du innerhalb kürzester Zeit erfahren, »wie es dir mal wieder so richtig gezeigt wird«, wo du gefälligst mit deinem Fahrrad zu fahren hast. Da spielt es auch keine Rolle, ob du dich vollkommen in Übereinkunft mit der StVO verhältst. Oder aber du fährst auf einem benutzungpflichtigen Radweg und triffst dort in verlässlicher Regelmäßigkeit auf Kraftfahrzeuge, welche den Radweg mit einem Pkw-Parkstreifen verwechseln. Sicherheitsabstände und reduzierte Geschwindigkeit beim Überholen? Glückssache. Respektierung von Fahrradschutzstreifen? Da wird einfach mit dem Auto drüber gefahren – der liegt doch schließlich auf meiner Fahrbahn. Anerkennung des Radverkehrs, als gleichberechtigte VerkehrsteilnehmerInnen? Nur, wenn diese lahmen, »links-grün-versiften« RadfahrerInnen das auto fahrende Individuum in seiner herbei-phantasierten, als göttlich verbrieftes Recht wahrgenommenen Freiheitsausübung, nicht in die Quere kommen.

Das, was Radfahrende täglich erleben (müssen), ist nicht nur gefährlich für den eigenen Leib, sondern schlicht unzulässig, da rechts- oder ordnungswidrig und nicht selten strafbar und kriminell.

Unkenntnis, Anmaßung oder Charakterschwäche?

Einzelfälle? Neben vielen rationalen und vernünftigen Menschen, die rücksichtsvoll und bedacht mit dem Auto fahren und welche sich sogar dann, wenn ihnen selbst einmal Unrecht im Straßenverkehr widerfährt, ihrer »Waffe auf vier Rädern« bewusst sind, gibt es persistent diesen unübersehbaren Anteil an Menschen (meist Männer), die eben dieses Bewusstsein nicht mitbringen.

Wieso verhalten sich Menschen so? Das nicht wenige, der zuvor beschriebenen Spezies, schlicht und einfach die Regelungen der StVO nicht kennen, ist das eine, aber muss deswegen zwangsläufig auch die Vernunft aussetzen und das Leben anderer mit dem eigenen Panzer auf vier Rädern gezielt gefährdet werden?

Nach § 3 Abs. 1 Satz 1 StVG ist die Fahrerlaubnis zu entziehen, wenn der oder die InhaberIn sich als ungeeignet oder nicht befähigt zum Führen von Kraftfahrzeugen erweist. Das schließt die charakterliche Eignung ganz eindeutig mit ein. Wer beispielsweise einem Radfahrer oder einer Radfahrerin absichtlich schneidet und gefährdet, ist eindeutig charakterlich nicht befähigt, weiterhin ein Kraftfahrzeug zu lenken. Solche Typen müssen aus dem (Kraftfahrzeug)Verkehr gezogen werden. Schonungslos.

Feindbild – der pöse, pöse Radfahrer

Die Alibidebatte. Natürlich höre ich bereits die Schreie: »Aber die Radfahrer, aber die Radfahrer! Was die so immer machen! Für die gelten doch gar keine Regeln, die glauben doch, die können sich alles erlauben! Fahren über rot oder quer über die Kreuzung!« etc. etc. etc.

Das ist lahm. Nichts anderes, als Ablenkung. Warum? Ganz einfach deshalb, weil ein solches Verhalten, wenn überhaupt, Autofahrende nur peripher tangiert. Freilich gibt es unter Radfahrenden (genau wie in allen anderen Bevölkerungsgruppen) ebenfalls Typen (auch hier fast ausschließlich männliche Exemplare), welche sich so mies verhalten, dass Menschenleben gefährdet werden – nur in diesem Falle betrifft dies ausschließlich FußgängerInnen, da diese noch schwächer sind als der Radverkehr und eben keine Autofahrenden. Gegen den Blechpanzer eines Autos, kommt nämlich auch der brutalste Radikalinski-Radfahrer nicht an.

Sich also aufgrund solcher hirnlosen Radfahrenden als Dirty-Harry-Autofahrender, als Rächer der Schwachen, aufzuspielen, ist zum einen aufgrund der zuvor beschriebenen Pkw-Panzerung nicht nur ausgesprochen absurd, sondern schlicht und einfach nichts andres, als eine ziemlich lahme Ausrede für das eigene, widerwärtige Verhalten. Und ich lege noch einen drauf, denn meiner Meinung nach ist ein solches Verhalten von Autofahrenden eher Ausdruck und Ventil von Frustrationen gegenüber Radfahrenden, welche hier und dort eben auch mal viel schneller vorankommen als Mensch selbst in seiner Blechkiste – eben weil sie nicht im Stau stehen müssen und zudem Abkürzungen fahren können. Es birgt zweifellos eine gewisse Tragik: All das, obwohl ihr soviel Geld für euer geliebtes, klimakillendes und krankmachendes Töff-Töff ausgegeben habt. Ja, das ist wirklich gemein.

Aua, aua, aua…

Wer Schwächere gezielt gefährdet, aus welchem Grund auch immer, gehört ganz allgemein aus dem Verkehr gezogen – ob als Autofahrende oder Radfahrende. Wenn aber Kraftfahrzeuglenkende ein solch, dummes Fehlverhalten einzelner Radler undifferenziert betrachten, pauschalisieren und als Rechtfertigung für das eigene, bisweilen höchst-gefährliche Verhalten gegenüber allen RadlerInnen (und zuweilen auch zu Fuß gehenden) heran ziehen, sind sie zu alle dem auch noch unglaubwürdig.

Der gefährliche Unterschied

Die Gefahr im Straßenverkehr geht ganz eindeutig und ohne Zweifel vom Auto (und Lkw) aus – nicht von einzelnen Radfahrenden, die eine rote Ampel bei leerer Kreuzung überfahren (ja, die Kreuzung ist dann tatsächlich leer, denn auch ich kenne keinen Radelnden, welcher gern überfahren wird) oder zu schnell auf Gehwegen an Zufußgehenden vorbeifahren (wobei Räder häufig eben deswegen dort fahren, weil die Fahrbahn als zu gefährlich erscheint – warum wohl?). Diese Gefahr durch Pkw und Lkw ergibt sich ganz allein und logisch aus der Physik, denn allein die Masse (also das Gewicht), und dazu die Geschwindigkeit, machen den entscheidenden und bedrohlichen Unterschied aus: Radfahrende fahren aufgrund ihrer geringen Masse so gut wie keine Menschen tot – Autofahrende aufgrund ihrer großen Masse hingegen schon. Und das nicht eben gerade selten: Ein touchée und dann war es das schon häufig für den nicht-gepanzerten Menschen.

Also Autofahrende (du weißt schon, ob du dazu gehörst oder nicht) – spare dir deine skurrilen Beschönigungen! Werde dir lieber deiner Verantwortung bewusst! Ach ja, und wenn du schon dabei bist, dir über deine Rolle im Straßenverkehr Gedanken zu machen, dann nutze doch die Gelegenheit, dir auch darüber Gedanken zu machen, ob du nicht auch gleich die permanente und dir bekannte Gefährdung aller, durch die giftigen Abgas- und Lärmemissionen deines Autos, dadurch minimierst, indem du ebenfalls öfter mal zum vernünftigsten Verkehrsmittel in der Stadt greifst – das Rad. Das Schlüpfen in die Rolle des anderen, kann dir zudem einen großen Erkenntnisgewinn bescheren. Das sagt dir jemand, der selbst auch seit vielen Jahren – wenn inzwischen auch nur noch höchst selten – Autofahrer ist.

Wenn du aber nicht in der Lage sein solltest, dir deiner Verantwortung bewusst zu werden, hast du im Straßenverkehr nichts zu suchen. Denn dann kannst du nicht einmal das Grundlegendste vom Grundlegenden umsetzen. In der StVO ist dies in § 1, in den »Grundregeln«, beschrieben – ein verantwortliches Sozialverhalten:

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
(2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Und zum Abschluss noch eines: Mache dich endlich kundig über geltendes Recht!

  1. Denn du musst endlich wissen und akzeptieren, dass Radfahrende sehr, sehr häufig das Recht haben, auf der Fahrbahn zu fahren, selbst wenn ein Radweg vorhanden ist. Denn die Regelungen zur Radwege-Benutzungspflicht sind bereits im Jahre 1998 grundlegend überarbeitet worden und eine Radewege-Benutzungspflicht findet nur noch in ganz wenigen Fällen eine Anwendung. Und selbst dort, wo diese ihre Anwendung findet, gibt es Ausnahmen (welche du vermutlich gar nicht kennst oder vor Ort nicht erkennst), welche die Radwege-Benutzungspflicht wiederum außer Kraft setzen kann.

  2. Du musst ebenfalls endlich wissen und akzeptieren, dass Radfahrenden sehr wohl gebührende Sicherheitsabstände zustehen und sie keineswegs am äußersten, rechten Fahrbahnrand fahren müssen. Ebenfalls darfst du sie auch nicht ohne ausreichenden Sicherheitsabstand überholen, denn manchmal müssen Fahrräder auch ganz plötzlich in die Fahrbahn ausweichen!

  3. Du musst zudem wissen und akzeptieren, dass es Radfahrenden erlaubt ist, wenn ausreichender Raum vorhanden ist, Fahrzeuge, welche auf dem rechten Fahrstreifen warten, mit mäßiger Geschwindigkeit rechts zu überholen! Ja wirklich, wir dürfen rechts an dir vorbei nach vorne fahren (StVO § 5, Abs. 8)! Ich weiß, das würdest du mit deinem Auto auch so gerne hier und dort mal machen – sich einfach mal so nach vorne vorbei schlängeln – nur ist die Karre dazu aber leider zu breit. Dafür können doch aber die RadfahrerInnen nichts.

  4. Du musst wissen und endlich akzeptieren, dass du die Bereiche, welche für den Radverkehr reserviert sind (Fahrradschutzstreifen etc.), zu achten und nicht zu befahren hast!

  5. Ach ja – du musst des Weiteren genauso wissen und akzeptieren, dass du Radfahrende nicht an-hupen darfst! Denn das Benutzen deiner Hupe ist in der StVO klar geregelt und ist zur selbst-definierten Reklamation, dass sich langsamere Verkehrsteilnehmer vor dem eigen Auto befinden und angeblich falsch verhalten, nicht zulässig!

Und wenn dir dann all diese Regeln bewusst sind, dann wird dir sicher auch klar werden, wie häufig du dich ganz einfach falsch und gesetzwidrig verhältst und in der Vergangenheit verhalten hast. Aber lass uns nach vorne schauen: Es wäre schön, wenn wir dann jetzt, wo alles geklärt ist, zu einem Miteinander übergehen könn(t)en.

Gute Fahrt, euer Kaya!

Nimm 2

Wie ihr wisst, haben wir bei der letzten Fahrt im Mai an die 1000 Flyer unter die Leute gebracht. Die Verteil-Aktion erschien uns nicht nur beim Verteilen selbst erfolgversprechend, sie war es auch – die Klicks auf das CM-Kiel-Blog sind deutlich und vor allem anhaltend gestiegen.

Das bedeutet, dass sich offenbar immer mehr Menschen für die Critical Mass interessieren. Das ist fein und natürlich ina unser aller Interesse. Und damit das so bleibt, bringe ich, Kaya, zur nächsten Mass nochmal 1000 Flyer mit, die gern wieder von fleißigen FahrerInnen an die staunende Menge am Fahrbahnrand verteilt werden dürfen.

Druckvorlagen zum Download

Außerdem können ab sofort die druckfertigen Dateien für jeden frei zugänglich im Download-Bereich runtergeladen werden: Wer also will, kann sich die Flyer durch eine Druckerei der eigenen Wahl (nach)drucken lassen. Es gibt dabei übrigens zwei Versionen: Einmal der bekannte CM-Kiel-Flyer, und einmal ein abgewandelter Flyer, der auf allen anderen CM’s verteilt werden kann.

Wir sehen uns am 30 Juni! Reclaim the streets!

Von außerordentlicher Qualität…

Yeah! Das war sie wirklich, diese Mass! 234 FahrerInnen fuhren die Mai-Mass in Kiel. Wir schafften es zwar nicht den Rekord vom letzten Jahr zu brechen, was aber Banane ist, denn diese Mass war schlicht und einfach allererste Sahne.

Wir hatten warme 20°C, die Sonne schien und die Stimmung war entsprechend. Und ganz klar – es ist immer wieder ein absolut besonderes Erlebnis – auch wenn Mensch schon lange dabei ist –, mit so vielen sympathischen Frauen und Männern, Jungs und Mädchen, die Straßen Kiels zu rocken. Begleitet wurden wir wie immer von Applaus und bestärkenden Zurufen von Seiten der Passanten.

Die Route war diesmal fast 30 km lang – dies ist schon anständig. Lag wohl am Wetter. Wollte irgendwie niemand so richtig aufhören. Auch gab es keine nennenswerten Vorkommnisse – weder mit anderen VerkehrsteilnehmerInnen und ebenso wenig mit den Cops. Es war eine ruhige, entspannt-fröhliche Sommerfahrt. Vermisst wurden von einigen nur ganz bestimmte Soundräder.

Die Flyer-Aktion lief gut. Eine ganze Menge FahrerInnen teilten kräftig aus. Wartende AutofahrerInnen und zu Fuß gehende wurden reichlich mit Flyern beglückt (und fanden so häufig sogleich eine Antwort auf all die Fragezeichen im Kopf, welche beim Anblick unserer hunderte Meter langen Kolonne in den Köpfen herum flogen). Fast 1000 Flyer wurden verteilt und so wie wir es sahen, wurden diese zumeist gut und dankbar von den Menschen entgegengenommen. Aber auch den VerteilerInnen machte das Verteilen sichtbaren Spaß. Besonders hervorheben sollten wir hier einfach mal die unermüdlichen Jungs von der Mountain-Bike-Fraktion, welche die Mass nicht nur mit ihren coolen Kunststücken und fleißigen corken bereichern, sondern auch radikal-konsequent die Flyer unter die PassantInnen brachten. Klasse!

Apropos Corken: Danke allen CorkerInnen für das Absichern des Verbandes! Danke allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern! Es war wieder total schön mit euch!

Die nächste Mass ist am 30. Juni. Leider nicht mehr innerhalb der Kieler Woche… 🙂 Bis demnächst dann! P.S. Wir freuen uns über Kommentare, Kritik und Anregungen!

Nachtrag vom 27. Mai, 19:15 Uhr:

Frank hat dem Blog vier Bilder der gestrigen Fahrt zur Verfügung gestellt, welche sehr gern noch nachgereicht werden. Herzlichen Dank und bis zum nächsten Mal!

 

Pssst… Heute ist Critical Mass!

Letztes Jahr im Mai waren 317 FahrerInnen am Start. Das war Rekord. Eine der schönsten Fahrten überhaupt. Lasst uns diesen Rekord brechen – das passende Wetter dazu gibts gratis: Über 20°C und Sonne satt in Kiel. Gute Laune, Soundräder, alte Räder, neue Räder, junge Fahrer, alte FahrerInnen oder umgekehrt – alles wird dabei sein. Flyer gibts gratis für alle, die sie an PassantInnen und AutofahrerInnen verteilen wollen. Seid dabei und – Weitersagen!! FreundInnen und Bekannte einladen!

Update von 9:38 Uhr:

An alle DauernörglerInnen hinterm Lenkrad und an reaktionäre PolizistInnen die uns gegenüber (und somit der Allgemeinheit) uncool sind – schaut euch das nachfolgende Video noch mal an! Sound schön laut drehen, zurücklehnen und genießen! DAS, was ihr da seht, ist echter Fortschritt!

Kesselrollen

Einen schönen Film gibts aus der Stadt mit den höchsten Feinstaub-Emissionen – der Stauhauptstadt Stuttgart. Jedoch inmitten des ganzen Irrsinns findet sich eine erfrischende Fahrradszene, die tagtäglich dafür kämpft, dass sich die Zustände verbessern. Für eine lebenswertere Stadt. Für die Mobilität der Zukunft. Ein gemeinsamer Treffpunkt dieser Menschen ist die Critical Mass – in Stuttgart, wie bei uns in Kiel.

Lasst uns gemeinsam weiter kämpfen! Überall. In jeder Stadt.

Mit dem (e)-Rad für das Ende der Auto-Normativität

Das hier gilt es gemeinsam zu verhindern.
Das hier gilt es gemeinsam zu verhindern.

Wir, die sich jeden letzten Freitag des Monats zur gemeinsamen Ausfahrt versammeln, wollen die Stadt lebenswerter machen. Dies kann nur funktionieren, wenn der Individual-Kraftfahrzeugverkehr zurückgedrängt wird. Dieser aber genießt bis heute, angesichts anachronistischer Klientelpolitik mit dem Blick durch die Windschutzscheibe, vorrang. Nicht nur umwelt- und klimatische Aspekte drängen zum Umdenken, sondern auch soziale Aspekte. Wir sollten alle verbrennungsmotorlosen Bike-Möglichkeiten für den Wandel nutzen.

Vielleicht sind aufmerksame Leserinnen und Leser über das Vorhandensein des »(e)« in der Überschrift gestolpert, denn in der Regel treten wir ja alle am liebsten selbst auf die Kurbel. Ja, es gibt sogar einige Puristen, die Elektroräder ablehnen – ganz so, als würde damit das klassische Fahrrad kaputt gemacht werden. Dies verwundert mich ehrlich gesagt ein wenig, denn unser Hauptziel ist, dass mehr geradelt werden muss. Und genau hier sind E-Bikes eine zusätzliche, super Option, denn sie bringen viele Leute aufs Rad, die vorher Auto gefahren sind.

Ein Selbsttest

Zugegeben, so ein bisschen »Warmduscher-Muff« duchwehte schon meinen Kopf, als ich mir vorstellte, einmal selbst aufs E-Bike zu steigen. Auf der anderen Seite reizte es mich, mich genau diesem Vorurteil einmal zu stellen, und so entschloss ich mich todesmutig im Selbstversuch, die November-Critical Mass als »warmduschender Pedelec-Fahrer« zu fahren. Erste Frage – woher nehmen und nicht stehlen? Nico und Steffen von der Fahrradschmiede Wellingdorf stellten mir kurzerhand eines ihrer Vorführ-Pedelecs zur Verfügung (vielen Dank nochmals dafür). Dabei hatten sie vermutlich auf mein Jammern ein Einsehen – es war nicht eines der üblichen Langweiler-Pedelecs, auf dem »Oma- und Opa« umhertuckern, sondern es handelte sich um ein Conway Cross-Rad (Bilder und Daten zum Pedelec am Ende des Artikels), welches recht sportlich daherkam und so das Unbehagen in mir beim Besteigen des Sattels in Grenzen hielt.

Meine Erfahrungen

Am Donnerstagabend holte ich das Pedelec ab und am Samstagmittag gab ich es zurück. Insgesamt bin ich mit dem Teil 55 km gefahren, was offenlegt, dass ich neben der November-Mass noch andere Strecken austestete. Von Anfang an zeigte sich – ein Pedelec macht Laune! Beim Pedelec (Pedal Electric Cycle) unterstützt ein elektrischer Hilfsantrieb mit bis zu 250 Watt die Tretbewegungen des Fahrers, bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 25 km/h (bei meinem Rad laut Tachometer lag die Höchstgeschwindigkeit bei 26,5 km/h). Je nach dem, welcher Modus gewählt wird, fällt die Unterstützung durch den Motor mehr oder weniger stark aus. Der ›Turbo-Modus‹ hatte mitunter eine ganz besonders unwiderstehliche Anziehungskraft und so war es schon atemberaubend, wie schnell ich eine Geschwindigkeit aus dem Stand auf 26,5 km/h erlangt hatte. Dabei war es übrigens nahezu bedeutungslos, ob ich auf gerader Strecke fuhr oder eine Steigung bewältigen musste. Ein Tritt in die Pedale und das Teil ging ab! Ich musste echt schauen, dass ich beim Hochschlalten hinterher kam. Ein Beispiel: Bei der Fahrt ›Ziegelteich‹ hoch Richtung ›Exerzierplatz‹ habe ich mit dem normalen Rad bisher noch nie die grüne Welle geschafft – jetzt fuhr ich wie am Schleppseil gezogen mit E-Höchstgeschwindigkeit den Berg hoch und kam bei »Unverpackt« ohne Ampelhalt an. Das war schon klasse – wenn man es denn eilig hat.

Der ständig abrufbare E-Kick war dabei so aufregend, dass es mich richtiggehend nervte, wenn ich ab 26,6 km/h durch die (verdammte) Antriebsabschaltung genötigt wurde, die gesamte Fortbewegungsenergie wieder komplett alleine aufbringen zu müssen. Bei einem Rad, was rund 20 kg wiegt, keine besondere Freude und die Frage hämmerte durch meinen Kopf: Warum nicht 30 oder 35 km/h? Zudem erschien mir das eigenständige Treten deutlich anstrengender, als wenn ich mit einem meiner »normalen« Räder oberhalb dieser Geschwindigkeit fahre – allerdings ist auch keines meiner Räder so schwer.

Mein Fazit

Trotz des Spaßfaktors würde ich persönlich keine rund 2500 Euro für ein solches Elektrorad ausgeben, da ich auch längere Strecken und Steigungen (je nach Tagesform gern) aus eigener Kraft bewältige. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass das Elektrorad für eine große Anzahl von Menschen eine sehr gute Alternative zum Auto darstellt und es ihnen ermöglicht Wege zu fahren die sie mit dem antriebslosem Fahrrad nicht oder nur schwer, oder nur mit unerwünschten Nebenwirkungen (bspw. starkes Schwitzen auf dem Weg zur Arbeit), bewältigen würden bzw. könnten. Auch beim Transport von schweren Lasten oder beim Kindertransport – der gesamte Bereich »Lastenräder« gewinnt durch den E-Antrieb erheblich an Fahrt – ist das E-Bike eine sinnvolle Option.

Wir alle wissen, das verkehrstechnische Problem der Welt ist zweifelsfrei das Auto, mitsamt seiner mächtigen Industrie, der Ölbranche und den politischen Seilschaften drumherum. E-Räder sind eindeutig ein weiteres gutes, manchmal vielleicht auch nur ergänzendes Angebot für eine autofreie Mobilität. Alles, was einen Ausweg aus der ungesunden und zerstörerischen Auto-Normativität protegiert, ist meiner Meinung nach willkommen. Das »System Auto« muss zerschlagen werden, und wenn möglich nicht repressiv, sondern mittels sinnvoll zur Verfügung gestellter Alternativen, die dem Umstieg noch leichter machen. Das bedeutet gleichzeitig natürlich auch, dass es bessere Rahmenbedinungen zum (e)-Radfahren geben muss – nicht nur punktuell, sondern Flächendeckend. Und zu guter letzt soll bemerkt sein, dass Puristen mit den (noch) wenigen E-Radlern nicht über »reine Lehre« streiten sollten.

ebike01

ebike02

ebike03

ebike04

ebike05

ebike06

 


Allgemeine Infos zu E-Rädern

Es gibt E-BikesPedelec (Pedal Electric Cycle) und S-Pedelec.

Das (echte) E-Bike kann mittels eines Gasgriffs auch ohne Treten bewegt werden. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit liegt bei 20 km/h. Rechtlich gesehen gilt ein E-Bike als Leichtmofa und bedarf daher einer Betriebserlaubnis und ist versicherungspflichtig.

Beim Pedelec (Pedal Electric Cycle) unterstützt ein elektrischer Hilfsantrieb mit bis zu 250 Watt die Tretbewegung des Fahrers. Bei Geschwindigkeiten von mehr als 25 km/h schaltet sich der Zusatzantrieb des Pedelecs ab. Ein Pedelec gilt rechtlich als Fahrrad, unterliegt keiner Helmpflicht und darf auf Radwegen gefahren werden.

Der Antrieb des S-Pedelec darf eine Leistung von bis zu 500 Watt haben. Die Höchstgeschwindigkeit eines S-Pedelec liegt bei 45 km/h. Wie beim Pedelec darf der Motor nur bei gleichzeitigem Treten den Fahrer unterstützen. Ein S-Pedelec benötigt allerdings eine Betriebserlaubnis, ist versicherungspflichtig und der Fahrer muss zudem noch eine Fahrerlaubnis der Klasse M vorweisen.

Rückschau auf die Oktober – Critical Mass

Etwa 15 Minuten vor der Abfahrt. Um die 100 Fahrerinnen und Fahrer waren bereits da (viele nicht im Bild zu sehen).

Die Oktober – Critical Mass ist gefahren. Wir hatten Super-Wetter – natürlich vor dem herbstlichen Oktober-Maßstab gesehen. Trocken und fast windstill. Gezählt wurden übrigens 153 Fahrerinnen und Fahrer, die sich die Fahrbahnen wieder zurück eroberten.

Die Fahrt war diesmal recht lang. Etwa 26 Kilometer ging es durch die Straßen Kiels. Auch diese Mass war erneut wieder sehr gelockert, bisweilen geradezu aufgelockert, denn es ergaben sich diesmal mehrmals größere Lücken im Verband. Uff. Die vorne waren zu schnell und die hinten zu langsam – beide Gruppen haben mal mehr, mal weniger ein bisschen gepennt. Hätten die Corkerinnen und Corker (dank euch!) nicht manches mal tapfer weitergekorkt, bis die Nachzügler dann auch ankamen und durchgefahren sind, wären sicherlich bei diesen Lücken hier und dort andere Fahrzeuge in den Verband eingefahren. Nun ja, beim nächsten Mal machen wir es sicher wieder alle besser – wir können ja schließlich nicht immer Spitzenklasse sein.

Rüber aufs Ostufer, zurück aufs Westufer von Links nach quer. Kiel ist verdammt schön, wenn man auf dem Bike sitzt und die Lichter der Stadt genießt. Teilweise waren tolle Beleuchtungen an den Bikes zu sehen und es wurde wieder viel gelacht. Klasse waren die beiden jungen Frauen am Bahnhof, die den vorbeifahren den Verband kurz vor Ende der Fahrt lauthals bejubelten und im applaudierten. Schön.

Wir freuen uns schon auf den November.

Kommentare sind immer gern gesehen und wer möchte kann gern Fotos schicken (oder an/auf die Facebook-Site).

Rückschau auf die September – Critical Mass

september_mass
Bereits dunkel – Beginn der Fahrt in Höhe Hauptbahnhof

Die September – Critical Mass ist gelaufen. Das Monat 9 verstrichen ist, erkannten wir alle daran, dass die Fahrt bereits in der Dämmerung begann. Nun wird es wieder richtig hyggelig (gemütlich) im Verband und die kreativsten Beleuchtungen erfreuen das Auge. Gezählt wurden übrigens 165 Fahrerinnen und Fahrer und wie stets lebten wir gemeinsam eine lebenswerte Stadt.

Diese Mass war extrem entspannt. Es wurde sehr viel, sehr nett miteinander geredet. Erneut gilt ein besonderer Dank den Musik-Rädern und natürlich auch den Corkerinnen und Corkern, die den Zug absicherten!

Zur Strecke

Ööööhm, da die meisten eben halt so entspannt waren und/oder in ihre netten Gespräche vertieft waren, (eben auch ich, der diesen Beitrag hier schreibt), kann hier zur Strecke nur noch Bruchstückhaft was vermerkt werden – deshalb fällt das heute einfach mal aus. Irgendwie glitten wir alle einfach nur tiefenentspannt im Verband durch unser schönes Kiel.

Einer muss immer am Rad drehen

Nach meiner Erinnerung gab es nur einen Autofahrenden, welcher die Nerven verlor. Ein weißer Kleinwagen (war wohl ein Pizza-Fahrer oder ähnliches) musste unbedingt hupender Weise den Verband auf den entgegenkommenden Fahrbahnen im Bereich »Wall« überholen. Hier sei angemerkt, dass die Gegenfahrspuren durch eine breite, lange Grünfläche von unseren Fahrspuren abgeteilt sind! Da der Verband aber so lang war, dass dieser nicht komplett auf der anderen Seite überholt werden konnte, bevor der Fahrer mit dem Gegenverkehr kollidieren würde, versuchte dieser in der nächsten Verbindung zwischen beiden Fahrrichtungen (Eggerstedtstraße) wieder auf die richtigen Fahrspuren zu wechseln – natürlich dabei mitten in den Verband hinein. Hier wurde er zum Schutz des Verbandes zum Glück sofort von mehreren Leuten gecorkt.

Wie können solche Menschen eine Fahrerlaubnis bekommen? Wenn die ökonomischen Zwänge (eine Pizza warm auszuliefern) wichtiger sind, als der Schutz von Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer – dann darf, ja muss die Befähigung solcher Fahrerlaubnisbesitzer ein Kraftfahrzeug zu führen in Frage gestellt werden! Also, noch einmal zum Mitschreiben: »Mehr als 15 Radfahrer stellen zusammen grundsätzlich einen geschlossenen Verband dar. Dieser muss genau wie ein geschlossener Verband aus Kraftfahrzeugen vom übrigen Verkehr als einzelner Verkehrsteilnehmer behandelt werden, die Radfahrer dürfen nebeneinander fahren und nicht überholt werden. Das Einfahren in einen solchen Verband ist verboten!«

Kommentare sind immer gern gesehen und wer möchte kann gern Fotos schicken (oder an/auf die Facebook-Site).

Rückschau auf die »Kieler Woche – Critical Mass«

Die »Kieler Woche – Critical Mass« ist vorbei. Rund 170 Fahrerinnen und Fahrer (vorerst ohne Gewähr) lebten erneut gemeinsam eine lebenswerte Stadt – vom Kind bis ins reife Alter waren wieder alle mit dabei.

Der Treffpunkt wurde diesmal »Kieler Woche bedingt« etwas mehr auf die andere Seite verlegt (Richtung ehemaliges C&A-Gebäude), aber wir waren nicht zu übersehen und alle fanden sich. Die Fahrt begann heute pünktlich um 19:15 Uhr – hurra! Alle kamen mit. Sie führte über das Sophienblatt, entlang der Hamburger Chaussee, Winterbeker Weg und schließlich auf den Westring. Der fröhliche Zug bog in die Olshausenstraße bis zur und auf die Holtenauer Straße, um dann in der Wik über die Prinz-Heinrich-Straße zur Kiel-Linie zu gelangen. Hier setzte ein warmer Sommerregen ein, den eigentlich alle, wie die Fahrt an der Förde und ab dem Düsternbroker Weg, Wall und Kaistraße die Vorbeifahrt an den Kieler Woche – Festivitäten, sehr genossen.

Von Seiten der Kieler Woche – Gäste kamen durchweg positive Reaktionen für den Zug: Gegenseitig spielten wir uns die Bälle zu – Winken und viele Daumen zeigten für die Mass nach oben und wir gaben dies gern zurück. Wer weiß – vielleicht fahren sie das nächste Mal ja schon mit. Und die autofahrenden Verkehrsteilnehmer? Im Großen und Ganzen glitten sie entspannt hinter dem Zug her und erfreuten sich an dem wundervollen Schauspiel so vieler beschwingter und vergnügter, fahrradfahrender Menschen. Vereinzelnd schien aber die Kieler Woche doch etwas den Stresspegel gehoben zu haben – so durften am Ende der Mass mitfahrende von einem älteren Pärchen aus einem Golf mit aufgeklebter Deutschlandfahne erfahren, dass »sowas wie wir unter Adolf vergast worden wäre«. 😀 Solche Dinosaurier gibt es tatsächlich noch, aber es sind erfreulicherweise Einzelfälle und sorgen nur für eines: Kopfschüttelnde Lacher und freundliche Winker.

Zusammenfassend hatten wohl alle Teilnehmer der Kieler Mass – trotz einsetzender Nässe -, die meisten Autofahrenden und die allermeisten Fußgänger und Passantinnen eine fröhliche und schöne Zeit heute Abend. Die Zustimmung ist eindeutig zu spüren!

Kommentare sind immer gern gesehen und wer möchte kann gern Fotos schicken (oder an/auf die Facebook-Site). Hier erste Fotos:

Heute ist Critical Mass!

wirhabenzeitHeute ist wieder Critical Mass. Kieler Woche – bestimmt eine besondere Fahrt.

Letztes Mal war es allerdings etwas wirr!

Die CM ist weit vor 19:15 Uhr losgerollt, viele kamen noch im Anschluss zum Bootshafen und wir sind denen weggefahren – das ist doof.

Wir haben soviel Zeit, dass wir klassisch um viertel nach losfahren und alle mitkommen können. Außerdem ist dann mehr Zeit, um Aufkleber zu verteilen und dergleichen.

Also, keinen Stress Leute, uns jagt keiner, auch nicht die Zeit!

Wettervorhersage für 19:00 Uhr, Wetteronline, abgerufen um 16:00 Uhr: Sonnog, leichtes Gewitterrisiko, 25°C.
Wettervorhersage für 19:00 Uhr, Wetteronline, abgerufen um 16:00 Uhr: Sonne, leichtes Gewitterrisiko, 25°C.