Rückschau auf die Januar – Critical Mass

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Gut gemacht, Kieler Polizei!

2017. Die Januar – Critical Mass ist gefahren. Fein war diesmal das Wetter – zwar kalt mit etwa -2 C°, aber dafür absolut trocken. Mit dabei waren diesmal 40 Räder, gefahren von den Besten der Besten, welche diese Fahrradstadt hervorbringt.

Denn wer am Freitag Abend, bei diesen Temperaturen, für eine lebenswertere Stadt eintritt und Monat für Monat ein Zeichen setzt – auch wenn einige wenige Autofahrende dieses Zeichen vollkommen missverstehen, aber dazu gleich – der oder die verdient einfach nur Respekt. Ich wiederhole mich, aber das ist mir schnuppe: »Riesen Respekt vor allen Fahrerinnen und Fahrern!«

Knapp dran ist immer noch rechtzeitig genug

Die Atmosphäre war diesmal deutlich gelöster, da die Fahrerinnen und Fahrer nicht mit der ekligen Nässe der letzten beiden Fahrten konfrontiert wurden. Dabei sah es bis 5 Minuten nach 19 Uhr noch so aus, als könne die Fahrt dieses mal gar nicht stattfinden, da sich bis dahin nur 14 Leute versammelt haben und 15 Leute ja das Minimum darstellen. Nach dem Motto: »Knapp ist immer noch rechtzeitig genug«, kamen dann aber in den nächsten 10 Minuten doch noch 40 Fahrerinnen und Fahrer zusammen. Nun, vielleicht schaffen wir es das nächste mal ja ein wenig Nerven schonender. Persönlich hat mich übrigens sehr gefreut, dass auf einmal wie aus dem Boden gewachsen eine vierköpfige Familie aus meiner Nachbarschaft neben mir auftauchte und ihre erste Mass fuhr – großartig! Wir sollten alle versuchen noch mehr Werbung für uns zu machen, denn wer erinnert sich nicht voller Schwärmerei an die Fahrten im Frühjahr und Sommer mit über 300 Leuten?

Was lag so an?

Richten wir unseren Blick auf außergewöhnliches. Die Strecke wurde diesmal nach meinem Geschmack anfänglich und später noch einmal ein wenig zu sehr in die Peripherie verlegt, fand dann aber wieder in die Innenstadt zurück. Bei Dunkelheit ist es nach meinem dafürhalten einfach angenehmer auf den gut ausgeleuchteten Straßen der Innenstadt zu fahren. Zudem ist die Innenstadt belebter und so ist auch das Feedback, welches die Mass dort von den Menschen auf den Gehewegen erhält, deutlich zahlreicher. So auch gestern – freundliches Winken von Gehsteigen, aus vielen Autos und Bussen – man kennt uns halt und es ist allen klar, wofür wir einstehen und radeln. Die lebenswertere Stadt kommt auch ihnen zu gute.

Freilich war auch der Westring wieder mit im Programm. Ja, der Westring – immer wieder gern gefahren von uns allen, aber immer wieder auch Ort der durchgehenden Nerven einiger weniger Verkerskasper. Während sich alle hinter dem Verband herfahrenden Autofahrenden entweder an dem lustigen Zug erfreuten, oder ihn zumindest als gleichwertige Verkehrsteilnehmer akzeptierten, mussten natürlich wieder mal zwei oder drei Deppen ins Kindergartenalter zurückfallen: Mit Dauertonhupen verliehen diese Figuren ihrem infantilem Weltbild Ausdruck, dass nur klimakillende Kraftfahrzeuge das Recht hätten, öffentliche Fahrbahnen zu befahren. Diese Einzelwesen hatten vermutlich sogar Schaum vor dem Mund, denn sie hupten so lange, bis die rausfliegenden Sicherungen ihrer Blechbüchsen dem Ton ein Ende brachten und uns, sowie Anwohnenden die Ruhe zurück gaben. Endkrank.

Liebe Autofahrende mit Dauerhupe: Ja, es ist richtig – die Fahrbahnen des Westrings sind vierspurig angelegt. Aber, der Westring ist dennoch keine Autobahn, auch wenn ihr euch das in euren skurrilen Köpfen anders ausmalt! Der Westring bleibt eine Fahrbahn innerhalb einer geschlossener Ortschaft, mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Das bedeutet – und nun zum Mitschreiben für die Lernresitenten – dass unser Verband, da mehr als 15 Radfahrende zusammen gekommen sind, als ein Fahrzeug gilt und nach § 27 Abs. 1 der StVO die Fahrbahn benutzen darf, selbst wenn Fahrradwegebenutzungspflicht durch Zeichen 237, 240 oder 241 vorgegeben sein sollte. Ferner bedeutet dies ebenfalls, dass auch das letzte Fahrzeug im Verband eine inzwischen wieder auf rot umgesprungene Ampel überfahren darf, sofern das erste Fahrzeug im Verband diese Ampel noch bei Grün überfahren hat (der Verband ist halt ein Fahrzeug).

Also Freunde der Sonne – bleibt gefälligst auf dem Teppich und schämt euch lieber für eure Ignoranz! Wobei natürlich nicht jeder alles Wissen muss und kann – gar keine Frage. Aber wenn man schon ahnungslos ist, dann führt man sich nicht noch auf wie der letzte Depp und macht sich lächerlich.

Die Kieler Polizei

Das es auch anders geht, offenbarte uns ein junger Vertreter der Kieler Polizei vorbildlich. In der Holtenauer Straße, kurz vor dem Verlassen der Wik in Richtung Innenstadt, überholte uns ein Dienstfahrzeug der Polizei, um uns freundlich beim nächsten Ampelstopp, anzusprechen. Der sehr junge Polizist kannte offenbar die Critical Mass noch nicht und auch der zuvor erwähnte Abschnitt der StVO schien ihm im Augenblick nicht geläufig, da er uns bat, auf dem Radweg zu fahren. Kein Problem, denn wie gesagt – Supermänner sucht das Land vergebens, und auch ein Polizist kann nicht jeden Paragrafen kennen. Was wir alle aber an seiner Aktion durchweg super fanden, war die deeskalierende, freundliche Art und Weise, wie wir durch diesen Ordnungshüter angesprochen wurden! Dies ist nebenbei bemerkt nicht die erste positive Erfahrung mit der Kieler Polizei – so verdient man sich Respekt.

Nachdem ich dem jungen Kollegen (nein, ich selbst bin kein Polizist – »Kollege« im Gebrauch einfach nur im Sinne eines »freundlichen Mitmenschen«) kurz den Sachverhalt über die Critical Mass und die Rechtssituation schilderte und ich ihm bat, sich in der Leitstelle nach uns zu erkundigen, begleitete der Streifenwagen den Zug als letztes Fahrzeug des Zuges bis zum Ende der Fahrt. 🙂 Als ich kurz vor Schluss die Mass verließ, wurde mein freundliches Winken vom Beamten ebenso freundlich erwidert. Erstklassig.

Die nächste Mass findet am 24. Februar statt. Vielleicht ja mal bei Plusgraden.

 

Rückschau auf die August – Critical Mass

augustmassDie August – Critical Mass ist gelaufen. Regenfrei. Mehr noch. Sonne und Wärme gabs auch dazu. Gezählt wurden 273 Fahrerinnen und Fahrer – alle lebten abermals gemeinsam eine lebenswerte Stadt. Wie stets von Jung bis Alt.

Es war eine sommerliche Mass. Endlich. Lauter entspannte Menschen auf Rädern, zu Fuß und in der Regel auch in den Blechkisten. Viele nette Gespräche untereinander, Fahrerinnen mit Fahrern, Fahrer mit Fahrerinnen und von überhaupt von links nach quer. Ein besonderer Dank gilt den Musik-Rädern und natürlich auch den unermüdlichen Corkerinnen und Corkern, die den Zug absichern! Danke, Freunde!

Zur Strecke

Nach längerer Zeit besuchte die Mass mal wieder lang und ausgiebig das Ostufer – über die Gablenzbrücke, Karlstal, den gesamten Ostring, Franziusalle, Poppenrade vorbei an HGG und den Beruflichen Schulen Gaarden, auf die Preetzer Straße und direkt über diese und Kaistraße wieder runter/rein in die City auf dem Westufer. Hier ging es weiter über den Wall, Kiellienie, Querung der Feldstraße in die Mercatorstraße und über die Holtenauer Straße wieder zurück Richtung Süden Richtung in die Innenstadt. Noch ein Schwenk in den Knooper Weg um letztlich zum Ende über Schützenwall, Kronshagener Weg, Ziegelteich und Sophienblatt wieder zum Startpunkt zurück zu gelangen.

Eines noch

Wer ab und an mal am Ende des Zuges mitfährt, erlebt mitunter interessante Phänomene – Autos, insbesondere aber Motorroller oder gar Motorräder, welche hinter dem Zug/Verband herfahren, aber natürlich nicht zum Zug/Verband gehören, bleiben nicht an ›roten Ampeln‹ stehen, welche der Zug/Verband selbst ja als »ein Fahrzeug« überfahren darf, sofern das Führungsfahrrad des Zuges die Kreuzung bei (ursprünglich) »grün« passierte. Nein, unsere motorisierten Freunde gleiten einfach mit dem Zug/Verband über (für sie) rot – und begehen somit definitiv eine Ordnungswidrigkeit, welche in diesem Falle, da die Ampel idR meist schon länger als 1 Sekunde »rot« zeigt, mit 200 Euronen und 2 Punkten in Flensburg als Minimum geahndet wird. Bleibt also besser stehen versucht schon gar nicht in den Zug einzufahren, da dann nämlich noch »mit Gefährdung« hinzukommt! Noch mal zum Mitschreiben: »Mehr als 15 Radfahrer stellen zusammen grundsätzlich einen geschlossenen Verband dar. Dieser muss genau wie ein geschlossener Verband aus Kraftfahrzeugen vom übrigen Verkehr als einzelner Verkehrsteilnehmer behandelt werden, die Radfahrer dürfen nebeneinander fahren und nicht überholt werden. Das Einfahren in einen solchen Verband ist verboten.«

Wir freuen uns schon heute auf den 30. September! 🙂

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