Ost-West in Kiel, Teil II

Im ersten Teil über die großteilig mangelhafte Radverkehr-Ost-West-Verbindung in Kiel ging es um die beiden zur Hörn führenden und ineinander übergehenden Straßen auf dem Ostufer ›Schönberger Straße‹ und ›Werftstraße‹. In Teil II widmen wir uns der Hörn-Umrundung selbst, die leider auch nur als halbfertiger Murks zu bezeichnen ist.

(Eines noch vorweg: Bitte schaut euch auch die Fotoreihe  〈17 Bilder〉 zur Veranschaulichung des Textes am Ende des Beitrages an!)

Wer sich also vom Ostufer, sagen wir vom Geomar in Wellingdorf, über die ›Schönberger Straße‹ und anschließend über die ›Werftstraße‹ bis in die Sichtweite der›Hörn‹, entweder auf den zuvor genannten Straßen Fahrbahnen fahrend durch den Verkehr oder auf den zum Teil üblen »Rumpelradwegen« (ohne Benutzungspflicht!) neben den beiden Straßen Fahrbahnen gekämpft hat, der steht mit der nun anstehenden »Hörnumrundung« über den »Querkai«, oder alternativ dazu die »Hörnüberquerung« über die Hörnbrücke, bzw. die sogenannte »Klappbrücke«, vor einem Konstrukt fragmentärer, radverkehrsplanerischer Halbergebnisse.

Eine gute Zufahrt zur Hörn braucht auch eine gute Hörn-Umrundung/Querung

Selbst wenn die Ostuferzufahrtswege zur Hörn gemäß der Vorschläge aus dem ersten Teil umgesetzt werden würden – ohne eine sinnvolle Hörn-Lösung, für eine zügige und hindernissarme Hörnumrundung bzw. Hörnüberquerung, bringt das den Ost-West-Radverkehr in Kiel nicht wirklich weiter. Die Hörn bliebe das Nadelöhr!

Nachdem ich heute Nachmittag die Situation vor Ort noch einmal genauer betrachtet habe, wäre für mich die sinnvollste Lösung ein Radschnellweg um die Hörn herum. Hier gibt es bereits durchaus gute, vorhandene Ansätze, die man nutzen könnte. Alternativ könnte die etwas kürzere Route über die Brücke ja bestehen bleiben, obwohl hier zu beachten ist, das die Brücke ein Fußweg ist, der lediglich für Radverkehr freigegeben ist und somit der Radverkehr nach der StVO eigentlich Schrittgeschwindigkeit fahren müsste…

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Das ist die Strecke, um die es geht. Die rote Linie stellt die (geplante) Schnellroute dar, die grüne die Abkürzung über die Hörnbrücke.

Also bitte noch einmal in Richtung Stadtplanung: Sorgt für eine schnelle Verbindung von Ost nach West und ihr werdet sehen, der Radverkehr wird auch in Kiel deutlich zunehmen, da das Ostufer mit seinen durchaus weiten Anfahrtwegen auch für das Rad deutlich attraktiver wird. Schaut nach Kopenhagen oder Amsterdam – genau so wurde es dort gemacht: Die Radverbindungen so attraktiv machen, dass man schon ziemlich schlapp und tranig sein muss, wenn man diese nicht nutzt!

Macht jetzt die schnelle Ost-West-Verbindung in Kiel perfekt!! Danke im Voraus im Namen aller Radlerinnen und Radler.

 

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Bild 1: So kommt man über die Werftstraße auf dem Radweg an die Abbiegung „Gaardener Ring“, welcher rechts ab Richtung Hörn führt. (Auf dem Radweg deswegen, weil das letzte Stück Radweg, ab der Einfahrt zum Norwegenkai, sehr gut ausgebaut und somit benutzungspflichtig ist.)
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Bild 2: Ist man dann den Gaardener Ring entlang gefahren, kann man, wenn man will, rechts die Abkürzung über die Hörnbrücke nehmen (grün). Die Rote Linie zeigt die angedachte Schnellwegverbindung für höhere Geschwindigkeiten. (Hier muss allerdings angemerkt werden, dass die angedachte Schnellwegverbindung im Moment die deutlich schlechtere Wahl ist! Mehr dazu ein paar Bilder weiter.)
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Bild 3: An der Abzweigung zur Hörnbrücken-Abkürzung – ein Nadelör. (Bitte beachte die Position der angebrachten Fahrradbügel!)
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Bild 4: Fährt man die Hörnbrückenabkürzung, gelangt man über diese Abfahrt zum „Am Germaniahafen“, welche zur Brücke führt.
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Bild 5: Gleiche Position wie beim Foto zuvor, nur um 90° nach rechts gedreht: Blick in „Am Germaniahafen“. Hier kann man zwei Wege nehmen. (Gelb eingekreist im Hintergrund die Hörnbrücke.)
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Bild 6: An der Hörnbrücke angekommen. Hier noch rüber und man ist auf dem Westufer. Das ist im Moment nicht nur der kürzeste, sondern auch der „beste“ Weg über/um die Hörn. (Eingekreist der Hinweis, dass die Hörnbrücke ein Fußweg ist und Fahrräder nur „frei“ sind, was nach der StVO bedeutet, dass nur „Schritttempo“ gefahren werden darf!) Im Hintergrund von links kommend, bereits auf dem Westufer verlaufend (dünne rote Pfeile), der angedachte Radschnellweg.
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Bild 7: Ungefähr von der gleichen Position wie beim vorigen Bild, nur um 180° gewendet. Noch mal ein Blick auf den Verlauf der Abkürzungsroute.
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Bild 8: Zurück zur Abzweigung Radschnellweg/Abkürzung (Bild 2 und 3). Fährt man den geplanten Schnellweg gerade aus weiter, findet man bereits einen sehr gut ausgebauten Radweg vor. Hier muss eigentlich gar nichts mehr gemacht werden. Schnelle Fahrt möglich. Fein.
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Bild 9: An der Halle 400 angekommen, heißt es rechts abbiegen, Richtung Hörn. (Das rote Gebäude ist die Halle 400).
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Bild 10: Und weiter geht die Schnellfahrt auf einem sehr gut ausgebauten Radweg an der Halle 400 entlang (linke Seite).
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Bild 11: Und dann – am Ende der Halle 400 angelangt, ist Schluss mit lustig und „schnell“ ist schon gar nicht mehr! Man hat nicht nur die Hörn vor Augen, sondern auch jede Menge Kopfsteinpflaster… (Im Hintergrund bereits auf dem Westufer, mit den dünnen roten Pfeilen, der weitere Streckenverlauf des angedachten Radschnellweges.)
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Bild 12: Dreht man sich am Ende des Weges an der Halle 400 (siehe Bild zuvor) nach links, sieht man den Reifentod für Rennradfahrer. Die weitere Strecke daher nur noch gepunktet, weil man das wirklich nicht mehr Strecke nennen kann. Für Fahrradfahrer ist dies eine Zumutung. //Erweiterung vom 3.8, 17:20 Uhr: Ob hier der Radweg tatsächlich endet, wie Jasmin auf Facebook bemerkt, und der Rest der angedachten Schnellwegstrecke ein Fußweg ist, möchte ich bezweifeln, da zum einen die Beschilderung fehlt (Zeichen 239). Auf dem Westufer hingegen, dem „Bahnhofskai“ (Bild 16), findet sich allerdings Zeichen 241 – also doch Fahrradweg. Also wenn überhaupt, käme Jasmins Feststellung nur für den Bereich „Querkai“ in Frage.
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Bild 13: Ab hier ist zudem Route-Raten angesagt. Fährt man an zwei vorhandenen Abfahrten vorbei, muss man einen Umweg fahren…. (rechts zu sehen die Hörn, hinten der Hörn-Campus am „Querkai“, an dem der weitere Streckenverlauf mit dünnen roten Pfeilen markiert ist.) 
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Bild 14: Hat man eine der Abfahrten gefunden, kommt man von unten. Hat man sie nicht gefunden, muss man die Treppen nehmen oder hinten herum fahren… (Rechts ab, geht es über den „Querkai“ rüber aufs Westufer.)
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Bild 15: Der „Querkai“ – linke Seite Hörn-Campus, rechte Seite die Hörn selbst. Die dünnen roten Pfeile zeigen bereits den weiteren Verlauf der angedachten Radschnellstrecke auf dem Westufer. (Gelb markiert sind regelmäßig eingelassene Kopfsteinplaster-Linien, welche Rennradfahrer besonders fröhlich stimmen.)
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Bild 16. Ist man auf dem Westufer angekommen, fährt man rechts ab und dann geht es über den „Bahnhofskai“ zum Rendez-vous-Punkt mit der Abkürzungsstrecke über die Hörnbrücke (grünes und rotes Kreuz). Grün eingekreist ist übrigens die Hörnbrücke. Gelb eingekreist die Pfalsterstein-Freude aller Rennradfahrer, die auch hier diese etwa alle 20 Meter ins Schritttempo zwingen.
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Bild 17: Nahaufnahme der Kopfsteinpflastereinlässe – echt nervig!
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Bild 18: Noch einmal die beiden beschriebenen Wege auf der Karte. Der angedachte Radschnellweg ist zwar länger, aber bis zum Ende der Halle 400 bereits excellent ausgebaut – gar keine Frage. Ich denke, wäre der Weg um die gesamte Hörn so ausgebaut, wäre dieser für mich wohl meist erste Wahl, auch wenn dieser weiter als über die Klappbrücke ist. Das ist aber reine Geschmackssache.

Anregungen und Kommentare sind Willkommen!

Ost-West in Kiel

In Kiel haben wir ein besonderes, verkehrstechnisches Problem – die Kieler Förde. Wer vom Ostufer aufs Westufer (also die Innenstadt) gelangen will (und natürlich umgekehrt), muss einmal um die Förde herum fahren. Während auf dem Westufer die Fahrradwegstruktur entlang der Förde recht gut ausgebaut ist, ist dies auf der Ostuferseite entlang der ›Schönberger Straße‹ und übergehend in die ›Werftstraße‹ zum Teil leider nicht der Fall. Sollen aber wie auch durch die Stadt Kiel vorgegeben viele Menschen auf das Rad umsteigen, dann müssen schnelle Fahrradrouten angeboten werden – sonst wird das nichts!

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So könnte es aussehen. Auf beiden Seiten breite Fahrradspuren, farblich abgesetzt. 30 km Höchstgeschwindigkeit für Autos für gleichmäßigen Verkehrsfluss, weniger Abgase und Lärm und kaum Geschwindigkeitsunterschiede zu den Radfahrenden für optimalen Unfallschutz. (Werftstraße Richtung Hörn, bzw. Innenstadt, kurz hinter der Abzweigung Elisabethstraße. Rechts im Bild das Werftgelände, im Hintergrund ist der auf der anderen Seite der Förde stehende Rathausturm zu sehen.)

Die Diskussion ist ja bereits in Gange. Die ›Werftstraße‹ soll umgestaltet werden und schnelle Fahrradspuren angelegt werden. Dies wird allerdings bisher von den üblichen Verdächtigen mit den immergleich-einseitigen Nichtargumenten blockiert. Statt es richtig zu machen, pranken stattdessen große Schilder rechts und Links der Route, dass ›Fahrradfahrer auch die Fahrbahn benutzen dürfen‹. Allerdings benötigen Radfahrende bei diesem Akt mitunter starke Nerven, denn im Verständnis des Autoverkehrs gehört die Werft- und Schönberger Straße noch immer ihnen allein – trotz riesen Beschilderung.

Erstaunliche Selbstversuche

Wer allerdings mit dem Fahrrad einmal konsequent auf der Werftstraße und Schönberger Straße fährt, macht die wirklich erstaunliche Erfahrung, wie schnell die Strecke von der Höhe ›HDW-Einfahrt‹ in Gaarden bis zum ›Geomar‹ in Wellingdorf (in diesem Bereich existiert keine Radwegbenutzungspflicht) zurückgelegt werden kann. Ich habe es mehrfach getestet, zu unterschiedlichen Tageszeiten. Das Ergebnis hat mich absolut erstaunt, denn durch die vielen Ampelkreuzungen offenbart sich tatsächlich kein signifikanter Zeitvorsprung für Verbrennungsfahrzeuge gegenüber dem Fahrrad und somit gibt es für sehr viele schlaffe »Bequemos« auch kein Argument mehr pro Auto. Am Tag beispielsweise (Vormittags gegen 11:00 Uhr) fuhr ich die Strecke in nicht mal 10 Minuten, am Abend (gegen 21:00 Uhr) sogar in nur 7 Minuten – ohne zu rasen, wenngleich zügig.

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Auch hier die im Bild zuvor beschriebene Verkehrsführung. (Werftstraße Richtung Wellingdorf, etwa auf Parallelhöhe der Prinzenstraße). Bitte beachtet die Parksituation auf der linken Seite – hier ist der Fußweg komplett durch Autos zugeparkt. Fußgänger und Radlerinnen teilen sich einen viel zu schmalen Streifen, zudem besteht große Gefahr durch „Dooring-Unfälle“.

Genau hier liegt der Hund begraben. Die meisten Radlerinnen und Radler trauen sich nämlich nicht auf der Schönberger Straße und der Werftstraße zu fahren und radeln daher aus Furcht vor viel zu schnellen Autos auf den zum Teil sehr engen, holprigen und zugeparkten Geh/Radwegen – zwangsläufig im Slow-Modus. Bitte versteht mich nicht falsch – nicht dass ich etwas gegen Slow-Motion habe, im Gegenteil, aber manchmal ist eben auch zügig angesagt und könnte eine solche Fahrweise durchweg auf dieser Route umgesetzt werden, dann schmilzt das Entfernungmonster von Ost nach West zu einem Witz zusammen.

Nicht nur reden – machen!

Also Stadtplaner – tut endlich etwas! Zeigt, dass ihr »Mumm in den Knochen« habt und lasst den schönen Worten endlich Taten folgen! Wer predigt, dass das Klima geschützt, die Stadtluft von Stickoxyden etc. und Feinstaub befreit werden soll und die radfahrenden Menschen gesünder werden, der muss auch handeln. Stellt die konservativen Blockierer mitsamt ihrer Steinzeit-Verkehrsidelogie an den Pranger – wir sind dabei gern behilflich. Ich wette »sonstwas von« darauf, dass wenn die Wege erstmal da sind, dass sie auch eifrig und schnell zunehmend genutzt werden!

Macht jetzt die schnelle Ost-West-Verbindung in Kiel perfekt!! 

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Wollen wir nicht mehr sehen! Verschenkter Raum und Bevorzugung des stinkenden Verkehrs, welcher zudem auf der Route grundsätzlich viel zu schnell fährt – Tempo 70 ist hier durchweg Programm. Die Radstreifen sind viel zu schmal und in gefährlicher Konfrontnationsnähe mit den zu Fuß gehenden – eine Berührung und der Radler landet vor dem nächsten Tempo-70-Auto auf der Straße.
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Auch hier – Verkehrsplanung aus dem letzten Jahrhundert. In die Mülltonne damit.