Rückschau auf die November – Critical Mass

November-Wetter: Die Handy-Cam war überfordert. Es war so nebelig und diesig, dass die Auto-Fokussierung während der Fahrt kläglich versagte.

Die November – Critical Mass ist gefahren. Wir hatten typisches November-Wetter mit allem Zubehör. Es war feucht, nebelig und kalt und die ersten Winter-Erkältungswellen rollen durchs Land. Entsprechend war die Teilnehmerzahl dieses mal überschaulicher, aber geschätzten 50-70 Fahrerinnen und Fahrern war all dies schnuppe und sie waren dabei.

Aufgrund des ungemütlichen Wetters fiel die zurückgelegte Stecke diesmal allerdings kürzer aus als sonst – der Verband, welcher sich zum Ende bereits gelichtet hatte, traf bereits gegen 20:30 Uhr wieder am Treffpunkt/Ausgangspunkt ein. Als einen Höhepunkt der Fahrt empfand ich den kurzen Halt des gesamten CM-Verbandes an der Ecke Walker Damm/Hopfenstraße, um die Demo der Antifa und feministischer Gruppen (sollte ich Gruppen übersehen haben, bitte ich um Entschuldigung) vor der AfD-Landesgeschäftsstelle gegen Rassismus, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit mit unser Masse zu unterstützen. Bei der Demo war ne Menge Power, vieler kritischer Menschen, die nicht wegschauen, am Start – großartig! In diesem Zusammenhang soll auch an dieser Stelle auf die Antira-Soli-Party »You can`t evict Solidarity« – HipHop, Techno & more in der alten Meierei am Samstagabend hingewiesen werden.

Ansonsten war es ruhig und beschaulich. Ach ja – ein hinter dem Verband fahrender Kraftfahrzeuglenker musste mittels mehrminütigem Dauerhupen unbedingt zeigen, dass er den Längsten hat. Was nebenher bemerkt eine Ordnungswidrigkeit nach StVO § 16 darstellt, zeigt das Selbstverständnis einiger, die mit zuviel Testosteron umherwabern. Nun, das Tempo des Verbandes verlangsamte sich darauf hin sicherheitshalber etwas.

Wir freuen uns schon auf den 30. Dezember. Ein Tag vor Silvester lassen wir dann das Kieler Mass-Jahr ausklingen! Und, nächstes Mal haben alle Zeit!🙂

Reine Kopfsache – der Fahrradhelm

radhelm
Velo-Helm: Vieldiskutiert und häufig gehasst – zu Recht?

Über den Nutzen von Fahrradhelmen und in diesem Zusammenhang über die Forderung einer allgemeinen Helmpflicht für Fahrradfahrer wird bis heute sehr kontrovers und emotional diskutiert. Schnell ist die Behauptung bei der Hand, dass Fahrradfahren mit Helm doch viel sicherer sein muss, als ohne Helm – schließlich hat man ja eine schützende Schale auf dem Kopf. Gleiches könnte dann aber auch für den Fußgänger- und Autoverkehr gesagt werden, denn auch hier muss es behelmt sicherer zugehen als helmlos – nur hier wird eine Helmpflicht nicht diskutiert. Oder ist dies gar ein polemischer Vergleich? Eine weitere, belangvolle Frage ist, ob dem Fahrradhelm eine größere Schutzwirkung nachgesagt wird, als er zu Leisten vermag. Wird den Radelnden tatsächlich der Schutz gewährt, den er vielen Helmträgern optisch zu vermitteln scheint? Eine Faktenanalyse.

Frage: Ist Radfahren gefährlicher als andere Dinge?

Zunächst versuchen wir die Frage zu beantworten, ob Radfahren tatsächlich eine so gefährliche Tätigkeit ist, dass es hier angebracht erscheint, gegenüber anderen Aktivitäten wie bspw. zu Fuß gehen oder Autofahren etc., eine besondere Schutzkleidung zu diktieren. Hier gibt es ziemlich aussagekräftige Zahlen, die weiter helfen:

Betrachten wir zunächst die Gruppe der Kinder und Jugendlichen, für die im Besonderen eine Helmpflicht eingefordert wird. Hier zeigt sich in einem Bericht des Bundesverbandes der Unfallkassen zum Schülerunfallgeschehen, dass nur weniger als 2 Prozent der meldepflichtigen Unfälle bei Schülern mit dem Fahrrad passieren. 27 Prozent sind Pausenunfälle und 16 Prozent sind Unterrichtsunfälle. Radfahren ist also bei Schulkindern gegenüber anderen alltäglichen Verrichtungen nicht besonders gefährlich – das Gegenteil ist der Fall.

Schauen wir weiter auf die Gruppe der Erwachsenen. Im Jahr 2004 legte die Hannelore-Kohl-Stiftung für Verletzte mit Schäden des Zentralen Nervensystems in ihrem Geschäftsbericht folgende Zahlen vor: Schwere Schädel-Hirn-Verletzungen wurden bei 26 Prozent der Fälle als PKW-Insassen, zu 14 Prozent in der Freizeit, zu 39 Prozent als Krankheitsfolge und nur zu 1 Prozent als Fahrradfahrer oder Fußgänger erlitten. Autofahrende sind nach diesen Zahlen also einem 260 Prozent höherem Risiko für schwere Schädel-Hirn-Verletzungen ausgesetzt als Fahrradfahrer, aber wird angesichts solcher Zahlen für Autofahrer ein Helm eingefordert? Diese Zahlen verwundern nicht, wenn man beachtet, dass lediglich 0,0002 Prozent aller Fahrradunfälle zu schweren Kopfverletzungen führen.

Auch in einer neueren Klinik-Studie aus dem Jahr 2012 der Neurochirurgischen Universitätsklinik Münster, veröffentlicht im OrthoJournal Ausgabe 12, ist Fahrradfahren vergleichsweise ungefährlich. Hier geschehen 11 Prozent der Schädel-Hirn-Verletzungen beim Auto- oder Motorradfahren, 36 Prozent während verschiedener Freizeitaktivitäten, 28 Prozent im Haushalt, 15 Prozent bei der Arbeit und 10 Prozent bei Fahrradunfällen. Im selben Journal bestätigt Dr. Adolf Müller, Chefarzt der Klinik für Neurochirugie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg: »Fahrradfahrer [sind] bei uns in der Klinik die kleinste Gruppe, die wegen Schädelhirnverletzungen nach einem Unfall operiert werden müssen. […] Verletzte erleiden bei Fahrradstürzen meist mittelschwere Schädelhirntraumen, unabhängig davon, ob sie einen Helm getragen haben oder nicht.«

Besonders deutlich sind die Zahlen der Baloise Group Sicherheitsstudie aus dem Jahr 2010: Hier liegt der Anteil der Verletzungen von Radfahrern an allen Kopfverletzungen bei lediglich 1 Prozent und damit noch deutlicher unter dem Anteil von PKW-Insassen mit 48 Prozent und Motorradfahrern mit 13 Prozent.

Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Fahrrad fahren definitiv keine besonders gefährliche Tätigkeit ist und für die meisten Radfahrer das Risiko, einen schweren Unfall zu erleiden, sehr gering ist. In absoluten Zahlen gesehen leben sogar Fußgänger gefährlicher als Radfahrer: 2012 starben 406 Radfahrer auf Deutschlands Straßen und 520 Fußgänger. Beide Gruppen sind bei Kollisionen mit Autos gleich schlecht dran – trotzdem käme niemand auf die Idee, beim Gang zum Bäcker einen Helm aufzusetzen, nur weil er beim Überqueren der Straße überfahren werden könnte. Noch mehr gilt dies angesichts der extrem hohen Unfallzahlen mit schweren Kopfverletzungen für das Autofahren – auch hier würde keiner auf die Idee kommen, einen Helm im Auto zu tragen. Die Frage ist also nicht nur berechtigt sondern auch gehaltvoll – warum wird ausgerechnet für das Fahrradfahren eine besondere Schutzkleidung verlangt?

Die Argumentation, dass jede verhinderte Schädel-Hirn-Verletzung ein Erfolg sei, ist sicher richtig – aber dann müssten wir uns konsequenterweise im nächsten Schritt auch Gedanken darüber machen, wie eine geeignete Schutzkleidung für Fußgänger und Autofahrer aussehen muss.

Frage: Welche Schutzwirkung gewährleistet ein Fahrradhelm?

Immer wieder behaupten Einzelpersonen oder Organisationen wie bspw. die Bundesanstalt für Straßenwesen, das ZNS-Kuratorium und weitere pauschal, dass Fahrradhelme vor Verletzungen schützen. Gleichfalls liest man immer wieder, dass Ärzte behaupten, dass die von ihnen behandelten, kopfverletzten Radfahrer mit einem Helm wesentlich besser davon gekommen wären (Anmk. d. Autors: Auch mir wurde von einem befreundeten Neuro-Chirurgen aus Hamburg ähnliches mitgeteilt). All dies spricht doch für den Helm, oder nicht?

Tatsächlich gibt es einige Studien, die durch ihre Ergebnisse zumindest vordergründig eine Wirksamkeit von Fahrradhelmen zu belegen scheinen. Bei genauerer Betrachtung weisen diese aber zum Teil beachtliche methodische Fehler auf, wie D. L. Robinson in seiner Studie »Bicycle helmet legislation: Can we reach a consensus?« (Warum bisherige Studien keinen Nutzen nachweisen konnten) aus dem Jahr 2007 darlegte. Die Pro-Helm-Studien arbeiteten mit niedrigen Fallzahlen und es fehlten zudem Kontrollgruppen. Mit anderen Worten sind solche Ergebnisse also mit Vorsicht zu genießen.

Was aber kann uns nun weiter helfen? Zum Beispiel ein Blick in die Prüfverfahren und in die Kenntnisse der Biomechanik.

Bei Fahrradhelmen, aber auch bei Ski- und Motorradhelmen, wird die Dämpfung ausschließlich bei senkrecht einwirkenden Kräften gemessen, da dieses einem Frontalaufprall am ehesten entspricht. Im realen Unfallgeschehen hingegen zeigen sich jedoch viel häufiger schräg einwirkende Kräfte, die dann als Rotationskräfte am Hirn einwirken und zudem für das Hirn besonders gefährlich sind. Ein Fahrradhelm kann ebenso wie ein Motorradhelm solcherlei Kräfte aber kaum dämpfen – die Rotationskräfte auf das Gehirn mit und ohne Helm sind hier gleich hoch, haben Untersuchungen von Medizinern der Wayne State University in Detroit ergeben. Diese Ergebnisse wurden durch Studien der schwedischen Versicherung Folksam bestätigt und weiter präzisiert: Die Werte für die lineare Kopfbeschleunigung lagen bei einer Aufprallgeschwindigkeit von etwa 21,6 km/h zwischen 135 g und 242 g. Gehirnerschütterungen mit und ohne Bewusstlosigkeit treten aber bereits bei 60 bis 100 g auf. Bei einer Beschleunigung von 250 g bestehe ein 40-prozentiges Risiko für einen Schädelbruch. Auch die Folksam-Studie betont, dass das Gehirn auf Rotationsbeschnleunigung wesentlich empfindlicher reagiert als auf lineare Beschleunigung: Das Risiko für Diffuse Axonale Verletzungen, Hirnblutungen oder Prellungen gehen vor allem von der Rotationsbeschleunigung aus. Diese Kräfte werden in den Norm-Testszenarien und damit in der Helmentwicklung gar nicht berücksichtigt.

Der Unfallforscher Klaus Brandenstein von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) bestätigte 2012 in einem Interview im Fokus, dass klar sei, »dass ein Fahrradhelm kaum etwas ausrichten kann, wenn der Radfahrer mit einem schnell fahrenden Auto zusammenprallt. […] Wir wissen nicht, ob die aktuelle Helmkonstruktion den Ansprüchen genügt. Die Kriterien der Prüfverfahren, etwa ein Fall aus 1,5 Meter Höhe auf glatten Untergrund, entsprechen jedenfalls nicht der Realität auf der Straße.« Ebenfalls ernüchternd sind die Ergebnisse des ADAC-Tests aus dem Jahre 2010, bei dem Kinderfahrradhelme getestet wurden. Die Aufschlagprüfung auf einen simulierten Bordstein mit 19,5 km/h haben mehrere Helme nicht bestanden.

Spätestens nach dem Skiunfall des ehemaligen Formel-1-Rennfahrers Michael Schumacher ist auch der Helm für Ski-Fahrer, für den ähnlich wie für den Fahrradhelm immer wieder eine Pflicht gefordert wird, in den Fokus geraten (Michael Schuhmacher trug bei seinem Unfall einen Helm). Auch hier zeigte sich, dass ein der EU-Norm entsprechender Ski-Helm, dessen Konstruktion der eines Fahrradhelms sehr ähnlich ist, bereits bei einem Sturz aus 75 Zentimetern Höhe zerstört werden kann. Aufschlussreich ist das Interview mit Thomas Manek, Mitglied des European Committee for Standardisation, im Magazin Stern: »In diesen Kommissionen stoßen die Interessen der 28 Mitgliedsstaaten und auch der Hersteller aufeinander. Immer wieder habe ich erlebt, dass in dieser Diskussion Helm-Konzepte, die den Anforderungen der Piste besser entsprechen würden, auf Kompromisse auf kleinstem gemeinsamen Nenner zusammenschrumpfen.« Manek bemerkt, dass Helme wirksamer sein könnten, aber eben nicht zu diesen Preisen: »Allerdings würden die Kosten für solche Helme dann extrem steigen und das Aussehen der Helme stark verändern. Die Hersteller müssten viel Geld in die Entwicklung von High-Tech-Stoffen stecken und in die Neukonzeption des Helm-Aufbaus. Wer da Vorreiter sein will, wird seine Helme kaum unter 500 bis 1000 Euro anbieten können. Unter dem wirtschaftlichen Druck scheuen das bislang noch alle Fabrikanten. Um es wirklich besser zu machen, müssten wir die Norm anpassen, sonst tut sich zu wenig.«

Dieser Meinung ist auch Florian Schueler, Unfallforscher am Institut für Rechtsmedizin an der Uni Heidelberg. Dieser äußerte bereits 2008 in einem Interview mit dem Mountainbike-Magazin, dass die Norm für Fahrradhelme dringend überarbeitet werden muss. Derzeit setzt die Norm eine maximale Beschleunigung von 250 g als Grenzwert an. Schueler aber führt diesen Wert ad absurdum: »Die etablierte Wertegrenze des Verletzungsschutzes liegt deutlich tiefer! […] die Einwirkdauer ist dabei entscheidend! Aus der Sicht der Traumatomechanik wären bei Unfällen mit derartiger Einwirkschwere schwerste, wenn nicht tödliche Kopfverletzungen zu erwarten.«

Dr. Adolf Müller, Chefarzt der Klinik für Neurochirugie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg erläuterte im OrthoJournal Ausgabe 12, dass Fahrradhelme zudem vollkommen anders aufgebaut sind, als beispielsweise Motorradhelme: »Motorradhelme haben nämlich zusätzlich einen Puffer aus Styrodur. Dieses Innenleben des Motorradhelmes puffert bei einem Unfall die Aufprallenergie ab, welche dann nicht meht unvermindert auf das weiche Hirngewebe unterhalb der harten Knochenschale einwirken kann. Der Fahrradhelm hat einen solchen wirksamen Puffer aber nicht. Durch seine Hartschale kann der Radhelm lediglich begrenzt im Niedriggeschwindigkeitsbereich Weichteilverletzungen und Schädelbrüche verhindern – aber auch nur dann, wenn man entsprechend aufschlägt. Aufgrund der fehlenden Pufferwirkung und Knautschzone wird jedoch bei Unfällen mit höherer Geschwindigkeit das Gehirn stark durchgeschüttelt und es kommt zu Scherbewegungen und Anprallverletzungen an der harten Knochenkapsel, die direkt zu Einblutungen und Verletzungen des Hirngewebes führen. […] Aus neurochirurgischer Sicht ist der Fahrradhelm im niedrigen Geschwindigkeitsbereich sicher ein wirksamer zusätzlicher Schutz.«

All dies zeigt, dass die Schutzwirkung eines Fahrradhelms überschätzt wird, denn seine Fähigkeit zur Energieaufnahme ist viel zu begrenzt. Seine Schutzwirkung ist nur bei sehr geringen Geschwindigkeiten gegeben und hier auch nur dann, wenn sich der Sturz ähnlich der Laborbedingungen vollzöge. Dies aber ist in der Realität eben häufig nicht der Fall.

Frage: Kann der Fahrradhelm unter dem Strich sogar schaden?

Immer wieder liest man, dass Fahrradhelme den effektiven Radius des Kopfes vergrößern und so das Risiko der hochgefährlichen Rotationsbeschleunigungen durch den größeren Hebelweg sogar erhöhen. Die hierzu gemachten Studien sind widersprüchlich und auch hier wurden häufig keine vergleichenden Untersuchungen mit und ohne Helm angestellt. Somit soll diese Behauptung gegen das Helmtragen hier vorerst ohne Bewertung bleiben.

Ein anderer Aspekt ist allerdings relevant. Bei der genauen Betrachtung der Unfallstatistiken zeigt sich nämlich, dass die Helmtragequote bei Unfallopfern höher ist als die Helmtragequote der Gesamtbevölkerung. Klingt verquaxt, aber das bedeutet lediglich, dass Helmträger öfter verunglücken, als Nichthelmträger. Das Stichwort hierbei ist »Risikokompensation«. Als Ende der 1980er Jahre das Antiblockiersystem (ABS) in Kraftfahrzeugen eingeführt wurde, war ebenfalls zu beobachten, dass Fahrer von Autos mit ABS im Unfallgeschehen überproportional häufig vertreten waren. Sie hatten durch riskantere Fahrweise den faktischen Sicherheitsvorteil des ABS verspielt. Ähnliches ist bei fahrradfahrenden Helmträgern zu beobachten – die trügerisch geglaubte Sicherheit, dass der Helm mich schützt, führt zu riskanterer Fahrweise auf dem Rad. All dies sind Vorgänge die sich im Unterbewussten abspielen, genauso wie das Phänomen, welches in der Studie von I. Walker »Drivers overtaking bicyclists: Objective data on the effects of riding position, helmet use, vehicle type and apparent gender.« (Radfahrer, die mit »viel« Abstand überholt werden wollen, brauchen lange Haare und keinen Helm) offenbart wurde: Helmträger werden von anderen Verkehrsteilnehmern riskanter überholt.

Ein weiterer negativer Aspekt ist, dass Helmwerbung Radfahren als gefährliche Tätigkeit darstellt, obwohl sie dies wie Anfangs bewiesen überhaupt nicht ist. Das allgemeine Radfahren geht also auch schon allein deshalb zurück, weil Radfahren als gefährlich dargestellt wird und die Angst vor Verletzungen vom Fahrradfahren abhält. In Neuseeland bspw. hat Helmwerbung zu einer drastischen Erhöhung der Helmtragequote geführt (je nach Altersgruppe etwa Verdoppelung der Quote innerhalb von drei Jahren). Im Gegenzug nahmen aber die Radfahrer um rund 19 Prozent ab. Dies wurde in der Studie von Paul A. Scuffham, John D. Langley: »Trends in cycle injury in new zealand under voluntary helmet use, Accid. Anal. and Prev., Vol. 29, No. 1, pp. 1-9,1997« nachgewiesen. Als in verschiedenen Bundesstaaten Australiens die Helmpflicht für Radfahrer eingeführt wurde, ging die Anzahl der Radfahrer sogar um 36 Prozent zurück – vor Einführung der Helmpflicht war die Tendenz der Fahrradnutzung hingegend steigend. Dies geht aus der Studie von Dorothy L. Robinson: »Cycle helmet laws – facts, figures and consequences« hervor.

Mit anderen Worten – werden Helme vorgeschrieben, nimmt die Anzahl der Fahrradfahrenden ab. Dies ist nicht nur mit negativen Folgen für die gesellschaftliche Gesundheit verbunden, da regelmäßige Bewegung bekanntlich das Risiko von Herz- und Kreislauferkrankungen mindert – nein, auch die Gefährdung für die »übriggebliebenden« Radfahrer steigt. Klingt merkwürdig, ist aber so. Hier hilft der Blick auf unsere Nachbarn in den Niederlanden und Dänemark weiter: In beiden Ländern existiert ein sehr hoher Anteil an Radverkehr und der Helm wird von den Radlern strikt abgelehnt. Dennoch oder gerade deswegen ist dort das Risiko, als Fahrradfahrer zu verunglücken, so niedrig wie in keinem anderen Land.

Die Aufklärung derbei ist einfach: Je mehr geradelt wird, umso achtsamer fahren die Autofahrenden, da sie jederzeit mit Radfahrenden rechnen müssen. Dadurch kommt es zu weniger Unfällen. Bei zunehmendem Radverkehr nimmt das individuelle Verletzungs- und Todesrisiko ab und umgekehrt steigt es bei sinkendem Radverkehr.

Fazit

Wir müssen also erkennen, dass die Schutzwirkung eines Fahrradhelms zum einen überschätzt wird, da seine Fähigkeit zur Energieaufnahme sehr begrenzt ist. Zum anderen wäre das Tragen von Helmen für Autofahrer und Fußgänger viel eher angezeigt, da diese viel öfter an schweren Kopfverletzungen verunfallen als Radler – hier wird aber kein Helm gefordert. Schon deshalb sollte eine allgemeine Forderung nach einer Helmpflicht ausschließlich für Radler ausgeschlossen sein. Und zu guter letzt zeigt sich, dass das verordnete Tragen von Helmen zur Abnahme der Radelnden und damit auch der Abnahme der gesellschaftlichen Gesundheit führt und zudem die verbleibenden Radler stärker gefährdet werden, als wenn mehr Menschen auf dem Rad unterwegs wären.

Letztlich muss jeder selbst entscheiden, ob er Helm trägt oder nicht. Ich persönlich trage in der Regel keinen Helm, aus eben all den zuvor genannten Gründen. Aber wie heißt es doch so schön: Keine Regel ohne Ausnahme(n). Bei schwierigen Wege/Wetterverhältnissen im Herbst/Winter oder starkem Regen/Sturm greife ich dann doch ab und an zum Helm, weil ich ganz einfach auch bei niedrigen Geschwindigkeiten mal ausrutschen könnte – mit Regenkappenüberzug in Signal-Gelb. Puristen mögen es mir nachsehen.

Undenkbar: In Kopenhagen (hier im Bild) und den Niederlanden wird das Helmtragen durchweg abgelehnt. Nirgends ist Radfahren sicherer als dort. Foto: Zugvogel, CC0 1.0 Universal (via Wikimedia Commons)
(Weitere) Quellen und weiterführende Links: www.adfc.de/helme

Rückschau auf die Oktober – Critical Mass

Etwa 15 Minuten vor der Abfahrt. Um die 100 Fahrerinnen und Fahrer waren bereits da (viele nicht im Bild zu sehen).

Die Oktober – Critical Mass ist gefahren. Wir hatten Super-Wetter – natürlich vor dem herbstlichen Oktober-Maßstab gesehen. Trocken und fast windstill. Gezählt wurden übrigens 153 Fahrerinnen und Fahrer, die sich die Fahrbahnen wieder zurück eroberten.

Die Fahrt war diesmal recht lang. Etwa 26 Kilometer ging es durch die Straßen Kiels. Auch diese Mass war erneut wieder sehr gelockert, bisweilen geradezu aufgelockert, denn es ergaben sich diesmal mehrmals größere Lücken im Verband. Uff. Die vorne waren zu schnell und die hinten zu langsam – beide Gruppen haben mal mehr, mal weniger ein bisschen gepennt. Hätten die Corkerinnen und Corker (dank euch!) nicht manches mal tapfer weitergekorkt, bis die Nachzügler dann auch ankamen und durchgefahren sind, wären sicherlich bei diesen Lücken hier und dort andere Fahrzeuge in den Verband eingefahren. Nun ja, beim nächsten Mal machen wir es sicher wieder alle besser – wir können ja schließlich nicht immer Spitzenklasse sein.

Rüber aufs Ostufer, zurück aufs Westufer von Links nach quer. Kiel ist verdammt schön, wenn man auf dem Bike sitzt und die Lichter der Stadt genießt. Teilweise waren tolle Beleuchtungen an den Bikes zu sehen und es wurde wieder viel gelacht. Klasse waren die beiden jungen Frauen am Bahnhof, die den vorbeifahren den Verband kurz vor Ende der Fahrt lauthals bejubelten und im applaudierten. Schön.

Wir freuen uns schon auf den November.

Kommentare sind immer gern gesehen und wer möchte kann gern Fotos schicken (oder an/auf die Facebook-Site).

Wirklich Sattelfest? Radfahrprüfungen an Grundschulen

Jedes Jahr legen rund 31.000 Schülerinnen und Schüler aller 4. Klassen an schleswig-holsteinischen Schulen eine theoretische und praktische Ausbildung unter der Anleitung von Polizeiverkehrslehrerinnen und Lehrern ab. Mit der Aktion »Sattelfest« will die Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein ein Zeichen für mehr Verkehrssicherheit schwächerer Verkehrsteilnehmer setzen und der Radfahrprüfung in den 4. Grundschulklassen Schwung verleihen. Aber tut sie das wirklich?

Wie kaspert es heute, Verkehrskasper? Foto: Stahlkocher, CC BY-Sa 3.0 (via Wikimedia Commons)
Wie kaspert es heute, Verkehrskasper? Foto: Stahlkocher, CC BY-Sa 3.0 (via Wikimedia Commons)

Zunächst einmal muss grundsätzlich gesagt werden – Ja! Dass dieser Aufwand betrieben wird, ist für sich schon einmal eine gute Sache. Die 9-10 jährigen Kinder üben gemeinsam mit Polizeibeamtinnen und Beamten das Bewegen mit dem Fahrrad im Straßenverkehr. Dabei wird nicht nur das Fahren auf Radwegen geübt, sondern auch auf den Fahrbahnen, im motorisierten Verkehr.

Freie Fahrt für alle?

Beim näheren Hinschauen zeigten sich aber auch Ansätze für Kritik an Umsetzungsdetails der Landeskampagne »Sicher kommt an!«. Das Ziel der vorherrschenden Verkehrsplanung, welches noch immer vorsätzlich die Menschen, welche Kraftfahrzeuge benutzen, vorziehen, spiegelt sich auch in diesem Verkehrsunterricht wieder – zumindest in dem von uns beobachteten. Und das bedeutet, dass Diskretionsabstände die »Minderwertigen« (Zweiradverkehr, Fußgänger) nicht erwarten dürfen – alles ist darauf ausgerichtet, dass der »richtige« Verkehr (Kraftfahrzeuge) fließen kann. So wurde beispielsweise bei den Prüfungen nicht darauf geachtet, dass die Kinder einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu den am Fahrbahnrand parkenden Autos für sich in Anspruch nahmen. Im Gegenteil schien es eher so, als würden die Kinder dazu angehalten, möglichst weit rechts, direkt neben der Fahrbahnbegrenzung, zu fahren. Das eine solche Fahrweise für die Radfahrenden, besonders wenn es Kinder sind, sehr gefährlich ist, haben wir bereits ausführlich beschrieben: Je dichter das Rad am Fahrbahnrand gefahren wird, um so dichter quetschen sich die überholenden Kraftfahrzeuge am Radfahrenden vorbei – oft mit fatalen Folgen. Wer hingegen durch seine Fahrweise gut sichtbar ausdrückt, dass er die ihm durch die Rechtsprechung zugesicherten Sicherheitsabstände einfordert und auch nimmt, wird mit deutlich größerem Abstand vom Kraftverkehr überholt. Dieses Verhalten der Überholenden geschieht unbewusst, aber es ist ein Fakt – mehrere Studien wiesen dies eindeutig nach.

In die gleiche Ecke gehörte der zu beobachtende Lehrinhalt, dass die Kinder möglichst in jede Parklücke ein- und anschließend wieder in den Fahrbereich auszuscheren haben – dazu noch mit Handzeichen. Der Umstand, dass dies mit Handzeichen zu machen, wo Kinder in dem Alter sogar mit beiden Händen am Lenker häufig noch Schlangenlinien fahren, macht die Sache nicht gerade besser. Dabei ist auch hier die Rechtssprechung ganz eindeutig: Der radfahrende Verkehr muss nicht in Parklücken einscheren, weil es ihm vom Autoverkehr in der Regel unmöglich gemacht wird, sich vor dem nächsten parkenden Fahrzeug wieder in den fließenden Verkehr einzuordnen! In der Sichtweise, in welcher der Radverkehr in Deutschland bis heute als ›Nicht-Verkehr‹ und als ›Hemmnis‹ eingestuft ist und wahrgenommen wird, ist genau dies ein Fakt – fährt man in die Parklücken hat man verloren.

Den Kindern sollte neben den gültigen Verkehrsregeln ebenfalls klar gelegt werden, dass sie weder über nicht richtig abgesenkte Gullydeckel und unebene Rinnsteine oder Kanten, noch im Auflappbereich von Autotüren fahren müssen. Ebenfalls sollten sie wissen, dass sie nicht durch Dreck und Gegenstände, welche vorzugsweise am Rand von Fahrbahnen zu finden sind, fahren müssen, da diese durch ihr Schädigungspotenzial oder die Verschlechterung der Haftreibungsbedingungen eine Gefahr darstellen, welcher durch ausweichen in saubere Bereiche auf der Fahrbahn abgeholfen werden kann.

Fazit

Beim Besichtigen einer Prüfungsfahrt zeigten sich so auch keine selbstbewussten Verkehrsteilnehmer, sondern kleine, verschüchterte, ängstliche Kinder, die sich am liebsten in Luft aufgelöst hätten, statt auf der Fahrbahn zu fahren, in denen es gar keinen Radweg gab. So gesehen erscheint die Aktion »Sattelfest« als Fehlschlag.

Es soll betont sein, dass hier keinesfalls eine Unterstellung mitschwingen soll, welche den Beamtinnen und Beamten etwa einen Vorsatz vorwirft. Nein, gerade die Ordnungshüterinnen und Hüter wissen ganz genau, wie sich die Masseverhältnisse zwischen SUV und Fahrrad bei einem Unfall verhalten und welche Folgen daraus resultieren. Ganz ohne Frage wollen sie ganz bestimmt das Beste für die Kinder, die ihnen anvertraut sind.

Aber es schein den Studien und auch den eigenen Erfahrungen vieler bewusst Radfahrender zufolge nun mal auch so zu sein, dass eine solch devote Fahrweise das genaue Gegenteil hervorbringt – nämlich weniger Sicherheit. So werden die Kinder auf ihren Rädern vom Kraftverkehr sprichwörtlich »übergebügelt« – sie werden geschnitten, bedrängt und übersehen. Was wir brauchen, sind Kinder, die selbstbewusst ihren Platz auf den Fahrbahnen durch entsprechende Fahrweise einfordern. Eben genau deswegen, weil diese Kinder so sicherer durch den Verkehr kommen.

Wir möchten dies als kleinen Denkanstoß in den Raum stellen.

Rückschau auf die September – Critical Mass

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Bereits dunkel – Beginn der Fahrt in Höhe Hauptbahnhof

Die September – Critical Mass ist gelaufen. Das Monat 9 verstrichen ist, erkannten wir alle daran, dass die Fahrt bereits in der Dämmerung begann. Nun wird es wieder richtig hyggelig (gemütlich) im Verband und die kreativsten Beleuchtungen erfreuen das Auge. Gezählt wurden übrigens 165 Fahrerinnen und Fahrer und wie stets lebten wir gemeinsam eine lebenswerte Stadt.

Diese Mass war extrem entspannt. Es wurde sehr viel, sehr nett miteinander geredet. Erneut gilt ein besonderer Dank den Musik-Rädern und natürlich auch den Corkerinnen und Corkern, die den Zug absicherten!

Zur Strecke

Ööööhm, da die meisten eben halt so entspannt waren und/oder in ihre netten Gespräche vertieft waren, (eben auch ich, der diesen Beitrag hier schreibt), kann hier zur Strecke nur noch Bruchstückhaft was vermerkt werden – deshalb fällt das heute einfach mal aus. Irgendwie glitten wir alle einfach nur tiefenentspannt im Verband durch unser schönes Kiel.

Einer muss immer am Rad drehen

Nach meiner Erinnerung gab es nur einen Autofahrenden, welcher die Nerven verlor. Ein weißer Kleinwagen (war wohl ein Pizza-Fahrer oder ähnliches) musste unbedingt hupender Weise den Verband auf den entgegenkommenden Fahrbahnen im Bereich »Wall« überholen. Hier sei angemerkt, dass die Gegenfahrspuren durch eine breite, lange Grünfläche von unseren Fahrspuren abgeteilt sind! Da der Verband aber so lang war, dass dieser nicht komplett auf der anderen Seite überholt werden konnte, bevor der Fahrer mit dem Gegenverkehr kollidieren würde, versuchte dieser in der nächsten Verbindung zwischen beiden Fahrrichtungen (Eggerstedtstraße) wieder auf die richtigen Fahrspuren zu wechseln – natürlich dabei mitten in den Verband hinein. Hier wurde er zum Schutz des Verbandes zum Glück sofort von mehreren Leuten gecorkt.

Wie können solche Menschen eine Fahrerlaubnis bekommen? Wenn die ökonomischen Zwänge (eine Pizza warm auszuliefern) wichtiger sind, als der Schutz von Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer – dann darf, ja muss die Befähigung solcher Fahrerlaubnisbesitzer ein Kraftfahrzeug zu führen in Frage gestellt werden! Also, noch einmal zum Mitschreiben: »Mehr als 15 Radfahrer stellen zusammen grundsätzlich einen geschlossenen Verband dar. Dieser muss genau wie ein geschlossener Verband aus Kraftfahrzeugen vom übrigen Verkehr als einzelner Verkehrsteilnehmer behandelt werden, die Radfahrer dürfen nebeneinander fahren und nicht überholt werden. Das Einfahren in einen solchen Verband ist verboten!«

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Vom gemeinsamen Miteinander

Auto gegen Fahrrad, anstatt Auto gemeinsam mit dem Fahrrad. Was den Kindern der kapitalistischen Wettbewerbswelt bereits seit dem Kindergarten eingebleut wird und sich fortan bis in alle Lebensbereiche zieht, wird folgerichtig und konsequent als Erwachsene auf den Straßen ausgelebt. Geistige Weiterentwicklung zu einem gemeinsamen Miteinander? Nur zu oft Fehlanzeige.

Wie gefährlich in einem solchen Klima Radfahren im Straßenverkehr sein kann, wissen alle, die täglich auf dem Bike unterwegs sind. Das »Duell« Autofahrer gegen Radfahrer ist ungleich, denn wenn motorisierte Gefährte mit Gewichten von mehr als einer Tonne gegen schlappe 80 Kilogramm antreten, ist das kein Spiel mehr – immer wieder missbrauchen Autofahrer (in der Regel sind dies tatsächlich Männer) ihre Masse-Überlegenheit für unfaire bis gefährliche Fahrmanöver: Ohne jede Rücksicht werden Wege abgeschnitten, mit zu geringem Abstand überholt oder ganz einfach unachtsam gefahren und gnadenlos die Vorfahrt genommen.

Primitivste Triebe

Betrachtet man dieses zumeist männliche Gebaren aus soziologischer und psychologischer Sicht, manifestieren sich primitivste Triebe als Antrieb solcher Handlungen. Allein die Tatsache, dass Räder auf der Fahrbahn fahren, bringt einige Autofahrer in Rage. In Foren liest sich das so: »Ich hupe Radfahrer immer an, wenn sie so ein Verhalten an den Tag legen.« oder »Das mach ich auch. Wenn sie sich erschrecken ist es besonders lustig.« Ha ha! Wenn sich im Netz Anleitungen finden, wie man die Auto-Scheibenwaschdüsen auf der Beifahrerseite so einstellt, dass neben dem Auto radelnde »getauft« werden, dann mag dies noch als Kinderei verbuchbar sein. Wenn hingegen aber ein Unfall zwischen Auto und Rad im ›Freaksearch-Forum‹ mit »Haste nachgetreten? Finalen Rettungsschuss angesetzt? Zwei Warnschüsse in den Rücken? Radfahrer muss man ausrotten, wo immer und wann immer man sie trifft.« kommentiert wird, dokumentiert dies schlicht Dummheit ebenso wie Verrohung und macht klar, dass solch ein Mensch niemals die Erlaubnis hätte bekommen dürfen, ein Fahrzeug zu lenken, mit welchem er so leicht sehr großen Schaden anrichten kann.

Mag solch dokumentierter Mangel an sozialer Intelligenz vielleicht keine Allgemeingültigkeit bekunden, ist dieses defekte Denken und Fühlen dennoch in seinen diversen Abstufungen täglich ortbar. Es geht um viel: Es ist die letzte Bastion gefühlter und durch die Werbung der Autoindustrie eingetrichterte Freiheit/Freiraum in Gefahr – je länger Autofahrer hinter einem Fahrrad herfahren müssen, desto gereizter reagieren sie beim Überholen oder beim Zusammentreffen an der nächsten Kreuzung. »Überholen, Vollgas geben und schön einräuchern.«, ist die Strategie eines ›Motor-Talk‹-Teilnehmers. Wenn sich das schlichte Gemüt in seiner persönlichen Freiheitsausübung eingeschränkt fühlt, wird es zum Arschloch gegenüber dem anderem, und die Tatsache, dass die persönliche Freiheitsausübung durch einen vermeintlich schwächeren eingeschränkt wird, ist derbei das Startsignal zum (dummen) Handeln. Was weit verbreitet fehlt, ist Gelassenheit, welche im täglichen Konkurrenzhandeln dieser Gesellschaft zwangsläufig auf der Strecke bleibt.

dummheitimkopf
Der Blick auf das Armaturenbrett bringt den Blick in die Geisteswelt des Besitzers. Wie muss Mensch ticken, um so etwas cool zu finden?

Dass all diese »erzieherischen Maßnahmen« durch den Autofahrer am Radfahrenden häufig nicht nur gefährlich sind, sondern auch strafrechtliche Relevanz haben, wird von Rechtsexperten und Polizei immer wieder betont – Autofahrer werden vor solchem »Maßnahmen« gewarnt. Aber auch ganz allgemein hat sich die veränderte Rechtssituation im Straßenverkehr für den Radverkehr noch nicht bei allen Autofahrenden herumgesprochen: Jeden Tag zeigt sich, wie viele von ihnen bis heute denken, dass Räder jeden Radweg zu benutzen haben, direkt neben dem Kantstein zu fahren haben oder das Radschutzstreifen grundsätzlich vom Auto befahren werden dürfen usw.

gehewegmein
Mir gehört nicht nur die Fahrbahn, sondern die ganze Stadt. Wenn der SUV gesaugt werden will, dann rollen die Panzer eben auch auch den Gehweg.

Die Frage die sich der Radfahrerin und dem Radfahrer stellt ist, wie wir auf all dies reagieren sollen. Wie sollen wir cool und freundlich bleiben, wenn wir Tag ein Tag aus entweder aus Unüberlegtheit oder gar aus Vorsatz in für unser Leib und Leben gefährliche Situationen gebracht werden? Dem Arschloch den Spiegel abtreten oder ihm zeigen, dass radelnde Menschen in der Regel fitter und sportlicher sind bringt nichts und es würde zudem bedeuten, sich auf dieses Homo neanderthalensis-Niveau zu herab zu begeben. Was also sollen wir tun?

Konsequentes Handeln auf allen Ebenen

Wollen wir intelligent handeln, bleibt uns nur, unsere Rechte konsequent einzufordern, dafür einzutreten und über sie aufzuklären – ob auf unseren täglichen Touren oder im Gespräch. Aber nicht nur das – gleichfalls sind wir gegen die Untaten der Blech-Panzer nicht schutzlos: Die Rechtslage steht eindeutig zu unseren Gunsten. Hier die ganz klare Ansage: Nutzt das Recht aus, steht ein für euer Recht! Werdet ihr genötigt und oder gefährdet, stellt einen Strafantrag (Aufforderung zur Strafverfolgung) wegen Nötigung im Straßenverkehr, Gefährdung des Straßenverkehrs und aller in Frage kommenden Tatbestände bei der Staatsanwaltschaft oder der Polizei! Auf jeden Fall solltet ihr dies tun, wenn ihr zu zweit oder noch mehr Zeugen seid – vielleicht habt ihr sogar noch ein Foto vom Fahrzeug gemacht. Schildert den Sachverhalt, benennt die Zeugen und stellt am Ende als Geschädigte einen Antrag gemäß § 406d Abs. 1 StPO und bittet um die Mitteilung des Geschäftszeichens, die telefonische und schriftliche Erreichbarkeit des zuständigen Sachbearbeiters bzw. Sachbearbeiterin und die Mitteilung über den Fortgang und Ausgang des Verfahrens.

Den strafrechtlichen Weg zu gehen ist kein Hexenwerk und bringt zwei gewinnbringende Aspekte mit sich, die nicht zu unterschätzen sind! Zum einen wird der Beschuldigte oder die Angeklagte mit dem eigenen Handeln, ganz gleich des Ausgangs des Verfahrens, unangenehm konfrontiert und kommt vielleicht (auch nur) so zur Einsicht über das eigene Fehlverhalten – und sei es nur durch Strafe oder der Angst vor Strafe. Zum anderem zeigt ein verstärktes Aufkommen solcher Fälle den Strafverfolgungsbehörden auf, dass hier Handlungsbedarf besteht und seitens Polizei, Ordnungsämter und ggf. durch Politik und öffentliche Organe präventiv mehr getan werden muss, um solcherlei gefährlichen Fehlverhalten entgegen zu treten.

Wichtig ist halt, dass wir handeln! Handeln heißt aber ebenfalls mit gutem Beispiel voran zu gehen: Wir wollen keine Räder auf Gehwegen sehen – hier werden die noch ungeschützteren, die zu Fuß gehenden, durch uns gefährdet. Ebenso wollen wir keine Rad-Rambos sehen, die sich genau so asozial verhalten, wie die motorisierten Spatzengehirne (auf euch können wir verzichten!). Geht mit gutem Beispiel voran, fahrt defensiv und rücksichtsvoll, zeigt mit jedem Pedal-tritt, dass ihr die cooleren, sozialeren und besseren seid! Haltet die rudimentären Verkehrsregeln ein (ja, natürlich wissen wir es – viele Regeln die für den Autoverkehr gemacht sind, sind für den Radverkehr tatsächlich unsinnig – dennoch schreiben wir dieses) – nur so können wir vorteilhaft Werbung für das Radfahren machen!

Wir wollen die Welt positiv verändern – reclaim the streets!

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Mehr als nur eine Art der Fortbewegung – es ist eine Lebensart die immer mehr angesagt ist. Sei aktiv, sei ein Teil der Zukunft!

Rückschau auf die August – Critical Mass

augustmassDie August – Critical Mass ist gelaufen. Regenfrei. Mehr noch. Sonne und Wärme gabs auch dazu. Gezählt wurden 273 Fahrerinnen und Fahrer – alle lebten abermals gemeinsam eine lebenswerte Stadt. Wie stets von Jung bis Alt.

Es war eine sommerliche Mass. Endlich. Lauter entspannte Menschen auf Rädern, zu Fuß und in der Regel auch in den Blechkisten. Viele nette Gespräche untereinander, Fahrerinnen mit Fahrern, Fahrer mit Fahrerinnen und von überhaupt von links nach quer. Ein besonderer Dank gilt den Musik-Rädern und natürlich auch den unermüdlichen Corkerinnen und Corkern, die den Zug absichern! Danke, Freunde!

Zur Strecke

Nach längerer Zeit besuchte die Mass mal wieder lang und ausgiebig das Ostufer – über die Gablenzbrücke, Karlstal, den gesamten Ostring, Franziusalle, Poppenrade vorbei an HGG und den Beruflichen Schulen Gaarden, auf die Preetzer Straße und direkt über diese und Kaistraße wieder runter/rein in die City auf dem Westufer. Hier ging es weiter über den Wall, Kiellienie, Querung der Feldstraße in die Mercatorstraße und über die Holtenauer Straße wieder zurück Richtung Süden Richtung in die Innenstadt. Noch ein Schwenk in den Knooper Weg um letztlich zum Ende über Schützenwall, Kronshagener Weg, Ziegelteich und Sophienblatt wieder zum Startpunkt zurück zu gelangen.

Eines noch

Wer ab und an mal am Ende des Zuges mitfährt, erlebt mitunter interessante Phänomene – Autos, insbesondere aber Motorroller oder gar Motorräder, welche hinter dem Zug/Verband herfahren, aber natürlich nicht zum Zug/Verband gehören, bleiben nicht an ›roten Ampeln‹ stehen, welche der Zug/Verband selbst ja als »ein Fahrzeug« überfahren darf, sofern das Führungsfahrrad des Zuges die Kreuzung bei (ursprünglich) »grün« passierte. Nein, unsere motorisierten Freunde gleiten einfach mit dem Zug/Verband über (für sie) rot – und begehen somit definitiv eine Ordnungswidrigkeit, welche in diesem Falle, da die Ampel idR meist schon länger als 1 Sekunde »rot« zeigt, mit 200 Euronen und 2 Punkten in Flensburg als Minimum geahndet wird. Bleibt also besser stehen versucht schon gar nicht in den Zug einzufahren, da dann nämlich noch »mit Gefährdung« hinzukommt! Noch mal zum Mitschreiben: »Mehr als 15 Radfahrer stellen zusammen grundsätzlich einen geschlossenen Verband dar. Dieser muss genau wie ein geschlossener Verband aus Kraftfahrzeugen vom übrigen Verkehr als einzelner Verkehrsteilnehmer behandelt werden, die Radfahrer dürfen nebeneinander fahren und nicht überholt werden. Das Einfahren in einen solchen Verband ist verboten.«

Wir freuen uns schon heute auf den 30. September!🙂

Kommentare sind immer gern gesehen und wer möchte kann gern Fotos schicken (oder an/auf die Facebook-Site).

Zu kurz gedacht – Fahrradschutzstreifen

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Gängige Praxis: Der Fahrradschutzstreifen wird vom Auto mit befahren – gemäß dem Selbstverständnis vieler Autofahrer (hier absichtlich nur die maskuline Form), dass die Fahrbahn dem Kraftfahrzeug gehört.

Es ist erstaunlich. Nach eigenen Erfahrungen und Erfahrungen vieler anderer Fahrradfahrender wenden 99 Prozent der KFZ-Nutzenden die Regelungen und Bestimmungen bzgl. des ›Fahrradschutzstreifens‹ nicht richtig an – sie befahren den ›Fahrradschutzstreifen‹ mit ihren Autos grundsätzlich mit, sofern sich auf dem Schutzstreifen kein Radverkehr bewegt, bzw. angenommen wird, dass sich dort kein Radverkehr bewegt. Aber genau letzteres ist der springende und gefährliche Punkt – hier wird eindeutig zu kurz gedacht.

Was ist ein ›Fahrradschutzstreifen‹?

›Fahrradschutzstreifen‹, auch »Angebotsstreifen« genannt, sind von der Fahrbahn durch eine unterbrochene Linie abgetrennte, zumeist schmale Streifen am rechten Fahrbahnrand, die mit Fahrradsymbolen gekennzeichnet sind. Diese Schutzstreifen wurden 1977 mit Zeichen 340 (Leitlinie) in § 42 Abs. 6 Nr. 1 g StVO eingeführt – sie sollen Radfahrerinnen und Radfahrer schützen.

Wichtig zu wissen ist, dass dieser den Radverkehr schützende Raum von anderen Fahrzeugen ›nur bei Bedarf‹ befahren werden darf! Die durchgängige Nutzung als Fahrstreifen ist daher ausgeschlossen! Der amtlichen Begründung lässt sich ziemlich eindeutig entnehmen, dass die (Mit)Benutzung des Fahrradschutzstreifens durch andere Fahrzeuge nur eine eng begrenzte Ausnahme darstellen darf:

»Für Ausweichbewegungen im Begegnungsverkehr kann der Schutzstreifen durch den Kraftfahrzeugverkehr mitbenutzt werden, wenn auch unter besonderer Vorsicht. Die Abmarkierung solcher Schutzstreifen setzt deshalb aus Gründen der Verkehrssicherheit voraus, dass sich solche Ausweichvorgänge auf eher seltene Fälle beschränken

Es ist also klar – Autos haben auf dem Fahrradschutzstreifen nur etwas zu suchen, wenn sie Gegenverkehr ausweichen müssen. Da aber der abzüglich des Schutzstreifens verbleibende Fahrbahnteil so breit sein muss, dass sich zwei Personenkraftwagen gefahrlos begegnen können, ist eine Mitbenutzung des Schutzstreifens eigentlich nur dann notwendig, wenn ein breiter Lastkraftwagen oder Bus als Gegenverkehr auftaucht – dennoch wird der Fahrradschutzstreifen fast grundsätzlich von Autos mitbefahren, egal ob PKW-Gegenverkehr, oder auch bei gar keinem Gegenverkehr.

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Ob Gegenverkehr oder kein Gegenverkehr – das gleiche Bild: Die Fahrbahn gehört mir.

Wo liegt das Problem?

Nun kann ja durchaus argumentativ die Frage gestellt werden, wo denn im praktischen Sinne ein Problem vorliegt, wenn ein Fahrradschutzstreifen durch ein Auto mit befahren wird, wenn dort kein Radelnder auszumachen ist. Dies mag vordergründig richtig erscheinen, ist aber hier definitiv zu kurz gedacht. Die amtlichen Regelungen ergeben durchaus Sinn und es ist tatsächlich durchaus sinnvoll und erstrebenswert, dass Fahrradschutzstreifen eben nicht generell durch den motorisierten Verkehr mit benutzt werden – denn die (meist tödliche) Katastrophe ist da, wenn ein Radfahrender versehentlich übersehen wird, und eben nur angenommen wird, der Fahrradschutzstreifen wäre frei!

Das die Möglichkeit des »Übersehens« eben nicht als extrem unwahrscheinlich einzustufen und nicht von der Hand zu weisen ist, wissen alle, die selbst auch Auto fahren:

Ob irritierende Schatten-/Sonnenwürfe durch Astwerk auf die Fahrbahn, tiefstehende, blendende Sonne, Regen, Dunst, Dunkelheit und all dies noch stark verstärkend verdreckte oder gar zerkratze Scheiben, ebenso wie beschlagende oder (Teil)vereiste Scheiben, ein möglicherweise defektes Rücklicht, etc. sind nicht eben selten. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind Ablenkungseffekte der Autofahrenden durch Musik, Nachrichten, Telefonate, SMS usw. usw.

Wer als Autofahrender ehrlich ist, muss zugeben, dass dies Fakten sind, die Gewicht haben – ein Rad kann schnell übersehen werden. Wo man meint da wäre keiner, kann eben doch einer sein. Und Gewicht hat ebenfalls das Fahrzeug – ein Zusammenstoß von 1,5 Tonnen Autostahl mit einem ungeschützten Radfahrenden, endet meistens tödlich für letzteren. Ein solcher Unfall zertört nicht selten ganze Familien, sondern meist auch das Leben des Unfallverursachenden selbst, denn Entschuldigungen ziehen nicht, da die Regelungen bzgl. des Fahrradschutzstreifens eindeutig sind – weder vor dem Richter, noch vor sich selbst.

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Der Platz reichte locker für zwei KFZ mit 50 km/h aneinander vorbei zu fahren….

Das Fazit kann nur sein

Genau deswegen sollten Fahrradschutzstreifen tatsächlich nur bei echtem Bedarf durch LKW-Gegenverkehr etc., und dann unter ganz besonderer Vorsicht, durch den Kraftverkehr befahren werden! Nur durch eine solche grundsätzliche, zur Gewohnheit erwachsene Nutzungsweise, werden Fahrradschutzstreifen ihrem Namen tatsächlich gerecht und können den Radlerinnen und Radlern ein Gefühl der Sicherheit geben – sie fühlen sich selbst auf die Gefahr hin, dass sie vielleicht einmal komplett übersehen werden, auf den für sie reservierten Fahrbahnbereich sicher! Dieses Sicherheitsgefühl kann aber auch eben nur dann entstehen, wenn durch das Verhalten der Autofahrenden immer wieder von neuem gezeigt wird, dass sie den Fahrradschutzstreifen als Sicherheits-Refugium grundsätzlich respektieren – und nicht nur dann, wenn es ihnen meint zu belieben!

Ebenfalls zu bedenken ist, dass Radlerinnen und Radler auch auf einem Fahrradschutzstreifen nicht zu nahe am Fahrbahnrand bzw. im Aufklappbereich von Türen abgestellter Fahrzeuge fahren müssen! Durch die Rechtsprechung bestätigte Sicherheitsabstände zu Gehwegen und Kantsteinen sind 80 bis 100 cm, und zu parkenden Fahrzeugen einen bis zwei Meter! Können diese Abstände auf dem Fahrradschutzstreifen nicht eingehalten werden, kann der Radverkehr also auch durchaus mal auf der gestichelten Linie oder manchmal eben auch zumindest zeitweilig links neben der gestichelten Linie fahren.

Fahren Sie daher bitte mit gutem Beispiel voran – zeigen Sie anderen, wie man richtig fährt und klären Sie auch andere Autofahrerinnen und Autofahrer über die Bestimmungen, und auch warum diese Bestimmungen tatsächlich begründet und sinnvoll sind, auf! Es gibt diesbezüglich viel zu tun. Vielen Dank!

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Tatsächlich ausreichend Platz. Seien Sie bitte ein gutes Beispiel (Fahrzeug im Vordergrund)!

Jede Menge dicke Luft

Die meisten von uns sind schon lange mehr als sauer – in den Städten gibt es zu viel Stickstoffdioxid. Durch diese Abgase sterben jedes Jahr tausende Menschen – die Verursacher aber bleiben desinteressiert und denken nicht einmal im Traum daran, ihre (auch für sie) schädlichen Gewohnheiten zu überdenken. Wo Vernunft nicht von alleine kommt, muss (leider) angeordnet werden. Doch die Politik bleibt tatenlos.

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Ein Stadtbummel zu zweit. Wunderbar.

Viele Stadtbewohner sind mit dem Rad unterwegs – anders als Pendler, die selbst im Grünen wohnen und einen guten Teil der Emissionen in den Städten verursachen. Wir auf dem Fahrrad müssen bei dem ganzen Spiel besonders viel Dreck einatmen – das ergaben Messungen von Greenpeace: Auf Radwegen wurden Stickstoffdioxid-Werte bis 500 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (!) gemessen – der zulässige Grenzwert von 40 Mikrogramm wurde also um ein Vielfaches überschritten. Das ist stark gesundheitsgefährdend.

Stickstoffdioxid ist sehr giftig und wird in geringen Konzentrationen kaum wahrgenommen. Stickstoffdioxid macht krank. Eingeatmetes Stickstoffdioxid löst Kopfschmerzen und Schwindel aus, höhere Konzentrationen verursachen Atemnot und führen langfristig zu Lungenödemen. Wird Stickstoffdioxid in Konzentrationen von 40–100 µg/m3 über längere Zeit eingeatmet (wie in unseren Städten), kommt es zwangsläufig zu gesundheitlichen Schäden: Asthma und Bronchitis, das Herzinfarktrisiko wird erhöht und es steigert die Todesrate. All dies ist wissenschaftlich eindeutig belegt.

In Städten sind es vor allem Dieselfahrzeuge, die das giftige Gas ausstoßen. Besonders betroffen sind Kinder und ältere Menschen, die an viel befahrenen Durchfahrtsstraßen wohnen. Und als hätte man es geahnt – der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm ist darüber hinaus sowieso strittig: Die Weltgesundheitsorganisation forderte unlängst, ihn um die Hälfte zu senken, auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Für Deutschland geht die Europäische Umweltagentur (EEA) von rund 10.000 Todesfällen pro Jahr durch Stickstoffdioxide aus und nebenher führt all dies natürlich zu beträchtlichen ökonomischen Problemen durch hohe Kosten für medizinische Versorgung und Arbeitsausfälle.

Es muss etwas geschehen. Wir haben die Lungen und die Schnauze voll. Was bringen uns die schönsten Radwege, wenn neben uns munter und ohne Scham weiter vergast wird? Die Ignoranz des Autfahrenden kann zum Hassobjekt werden. »Langfristig ist es wichtig, dem Autoverkehr Platz wegzunehmen«, sagt BUND-Verkehrsexperte Hilgenberg. »Sowohl auf der Fahrbahn als auch bei den Parkplätzen.« Nur dann werde sich etwas ändern, wenn das Autofahren unbequemer wird als das Benutzen von Bus, Bahn, E-Bike oder natürlich das Fahrrad.

Nur, dazu braucht die Politik auch einen Arsch in der Hose.

Quelle: freitag.de

Ost-West in Kiel, Teil II

Im ersten Teil über die großteilig mangelhafte Radverkehr-Ost-West-Verbindung in Kiel ging es um die beiden zur Hörn führenden und ineinander übergehenden Straßen auf dem Ostufer ›Schönberger Straße‹ und ›Werftstraße‹. In Teil II widmen wir uns der Hörn-Umrundung selbst, die leider auch nur als halbfertiger Murks zu bezeichnen ist.

(Eines noch vorweg: Bitte schaut euch auch die Fotoreihe  〈17 Bilder〉 zur Veranschaulichung des Textes am Ende des Beitrages an!)

Wer sich also vom Ostufer, sagen wir vom Geomar in Wellingdorf, über die ›Schönberger Straße‹ und anschließend über die ›Werftstraße‹ bis in die Sichtweite der›Hörn‹, entweder auf den zuvor genannten Straßen Fahrbahnen fahrend durch den Verkehr oder auf den zum Teil üblen »Rumpelradwegen« (ohne Benutzungspflicht!) neben den beiden Straßen Fahrbahnen gekämpft hat, der steht mit der nun anstehenden »Hörnumrundung« über den »Querkai«, oder alternativ dazu die »Hörnüberquerung« über die Hörnbrücke, bzw. die sogenannte »Klappbrücke«, vor einem Konstrukt fragmentärer, radverkehrsplanerischer Halbergebnisse.

Eine gute Zufahrt zur Hörn braucht auch eine gute Hörn-Umrundung/Querung

Selbst wenn die Ostuferzufahrtswege zur Hörn gemäß der Vorschläge aus dem ersten Teil umgesetzt werden würden – ohne eine sinnvolle Hörn-Lösung, für eine zügige und hindernissarme Hörnumrundung bzw. Hörnüberquerung, bringt das den Ost-West-Radverkehr in Kiel nicht wirklich weiter. Die Hörn bliebe das Nadelöhr!

Nachdem ich heute Nachmittag die Situation vor Ort noch einmal genauer betrachtet habe, wäre für mich die sinnvollste Lösung ein Radschnellweg um die Hörn herum. Hier gibt es bereits durchaus gute, vorhandene Ansätze, die man nutzen könnte. Alternativ könnte die etwas kürzere Route über die Brücke ja bestehen bleiben, obwohl hier zu beachten ist, das die Brücke ein Fußweg ist, der lediglich für Radverkehr freigegeben ist und somit der Radverkehr nach der StVO eigentlich Schrittgeschwindigkeit fahren müsste…

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Das ist die Strecke, um die es geht. Die rote Linie stellt die (geplante) Schnellroute dar, die grüne die Abkürzung über die Hörnbrücke.

Also bitte noch einmal in Richtung Stadtplanung: Sorgt für eine schnelle Verbindung von Ost nach West und ihr werdet sehen, der Radverkehr wird auch in Kiel deutlich zunehmen, da das Ostufer mit seinen durchaus weiten Anfahrtwegen auch für das Rad deutlich attraktiver wird. Schaut nach Kopenhagen oder Amsterdam – genau so wurde es dort gemacht: Die Radverbindungen so attraktiv machen, dass man schon ziemlich schlapp und tranig sein muss, wenn man diese nicht nutzt!

Macht jetzt die schnelle Ost-West-Verbindung in Kiel perfekt!! Danke im Voraus im Namen aller Radlerinnen und Radler.

 

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Bild 1: So kommt man über die Werftstraße auf dem Radweg an die Abbiegung „Gaardener Ring“, welcher rechts ab Richtung Hörn führt. (Auf dem Radweg deswegen, weil das letzte Stück Radweg, ab der Einfahrt zum Norwegenkai, sehr gut ausgebaut und somit benutzungspflichtig ist.)
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Bild 2: Ist man dann den Gaardener Ring entlang gefahren, kann man, wenn man will, rechts die Abkürzung über die Hörnbrücke nehmen (grün). Die Rote Linie zeigt die angedachte Schnellwegverbindung für höhere Geschwindigkeiten. (Hier muss allerdings angemerkt werden, dass die angedachte Schnellwegverbindung im Moment die deutlich schlechtere Wahl ist! Mehr dazu ein paar Bilder weiter.)
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Bild 3: An der Abzweigung zur Hörnbrücken-Abkürzung – ein Nadelör. (Bitte beachte die Position der angebrachten Fahrradbügel!)
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Bild 4: Fährt man die Hörnbrückenabkürzung, gelangt man über diese Abfahrt zum „Am Germaniahafen“, welche zur Brücke führt.
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Bild 5: Gleiche Position wie beim Foto zuvor, nur um 90° nach rechts gedreht: Blick in „Am Germaniahafen“. Hier kann man zwei Wege nehmen. (Gelb eingekreist im Hintergrund die Hörnbrücke.)
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Bild 6: An der Hörnbrücke angekommen. Hier noch rüber und man ist auf dem Westufer. Das ist im Moment nicht nur der kürzeste, sondern auch der „beste“ Weg über/um die Hörn. (Eingekreist der Hinweis, dass die Hörnbrücke ein Fußweg ist und Fahrräder nur „frei“ sind, was nach der StVO bedeutet, dass nur „Schritttempo“ gefahren werden darf!) Im Hintergrund von links kommend, bereits auf dem Westufer verlaufend (dünne rote Pfeile), der angedachte Radschnellweg.
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Bild 7: Ungefähr von der gleichen Position wie beim vorigen Bild, nur um 180° gewendet. Noch mal ein Blick auf den Verlauf der Abkürzungsroute.
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Bild 8: Zurück zur Abzweigung Radschnellweg/Abkürzung (Bild 2 und 3). Fährt man den geplanten Schnellweg gerade aus weiter, findet man bereits einen sehr gut ausgebauten Radweg vor. Hier muss eigentlich gar nichts mehr gemacht werden. Schnelle Fahrt möglich. Fein.
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Bild 9: An der Halle 400 angekommen, heißt es rechts abbiegen, Richtung Hörn. (Das rote Gebäude ist die Halle 400).
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Bild 10: Und weiter geht die Schnellfahrt auf einem sehr gut ausgebauten Radweg an der Halle 400 entlang (linke Seite).
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Bild 11: Und dann – am Ende der Halle 400 angelangt, ist Schluss mit lustig und „schnell“ ist schon gar nicht mehr! Man hat nicht nur die Hörn vor Augen, sondern auch jede Menge Kopfsteinpflaster… (Im Hintergrund bereits auf dem Westufer, mit den dünnen roten Pfeilen, der weitere Streckenverlauf des angedachten Radschnellweges.)
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Bild 12: Dreht man sich am Ende des Weges an der Halle 400 (siehe Bild zuvor) nach links, sieht man den Reifentod für Rennradfahrer. Die weitere Strecke daher nur noch gepunktet, weil man das wirklich nicht mehr Strecke nennen kann. Für Fahrradfahrer ist dies eine Zumutung. //Erweiterung vom 3.8, 17:20 Uhr: Ob hier der Radweg tatsächlich endet, wie Jasmin auf Facebook bemerkt, und der Rest der angedachten Schnellwegstrecke ein Fußweg ist, möchte ich bezweifeln, da zum einen die Beschilderung fehlt (Zeichen 239). Auf dem Westufer hingegen, dem „Bahnhofskai“ (Bild 16), findet sich allerdings Zeichen 241 – also doch Fahrradweg. Also wenn überhaupt, käme Jasmins Feststellung nur für den Bereich „Querkai“ in Frage.
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Bild 13: Ab hier ist zudem Route-Raten angesagt. Fährt man an zwei vorhandenen Abfahrten vorbei, muss man einen Umweg fahren…. (rechts zu sehen die Hörn, hinten der Hörn-Campus am „Querkai“, an dem der weitere Streckenverlauf mit dünnen roten Pfeilen markiert ist.) 
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Bild 14: Hat man eine der Abfahrten gefunden, kommt man von unten. Hat man sie nicht gefunden, muss man die Treppen nehmen oder hinten herum fahren… (Rechts ab, geht es über den „Querkai“ rüber aufs Westufer.)
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Bild 15: Der „Querkai“ – linke Seite Hörn-Campus, rechte Seite die Hörn selbst. Die dünnen roten Pfeile zeigen bereits den weiteren Verlauf der angedachten Radschnellstrecke auf dem Westufer. (Gelb markiert sind regelmäßig eingelassene Kopfsteinplaster-Linien, welche Rennradfahrer besonders fröhlich stimmen.)
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Bild 16. Ist man auf dem Westufer angekommen, fährt man rechts ab und dann geht es über den „Bahnhofskai“ zum Rendez-vous-Punkt mit der Abkürzungsstrecke über die Hörnbrücke (grünes und rotes Kreuz). Grün eingekreist ist übrigens die Hörnbrücke. Gelb eingekreist die Pfalsterstein-Freude aller Rennradfahrer, die auch hier diese etwa alle 20 Meter ins Schritttempo zwingen.
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Bild 17: Nahaufnahme der Kopfsteinpflastereinlässe – echt nervig!
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Bild 18: Noch einmal die beiden beschriebenen Wege auf der Karte. Der angedachte Radschnellweg ist zwar länger, aber bis zum Ende der Halle 400 bereits excellent ausgebaut – gar keine Frage. Ich denke, wäre der Weg um die gesamte Hörn so ausgebaut, wäre dieser für mich wohl meist erste Wahl, auch wenn dieser weiter als über die Klappbrücke ist. Das ist aber reine Geschmackssache.

Anregungen und Kommentare sind Willkommen!