Vom gemeinsamen Miteinander

Auto gegen Fahrrad, anstatt Auto gemeinsam mit dem Fahrrad. Was den Kindern der kapitalistischen Wettbewerbswelt bereits seit dem Kindergarten eingebleut wird und sich fortan bis in alle Lebensbereiche zieht, wird folgerichtig und konsequent als Erwachsene auf den Straßen ausgelebt. Geistige Weiterentwicklung zu einem gemeinsamen Miteinander? Nur zu oft Fehlanzeige.

Wie gefährlich in einem solchen Klima Radfahren im Straßenverkehr sein kann, wissen alle, die täglich auf dem Bike unterwegs sind. Das »Duell« Autofahrer gegen Radfahrer ist ungleich, denn wenn motorisierte Gefährte mit Gewichten von mehr als einer Tonne gegen schlappe 80 Kilogramm antreten, ist das kein Spiel mehr – immer wieder missbrauchen Autofahrer (in der Regel sind dies tatsächlich Männer) ihre Masse-Überlegenheit für unfaire bis gefährliche Fahrmanöver: Ohne jede Rücksicht werden Wege abgeschnitten, mit zu geringem Abstand überholt oder ganz einfach unachtsam gefahren und gnadenlos die Vorfahrt genommen.

Primitivste Triebe

Betrachtet man dieses zumeist männliche Gebaren aus soziologischer und psychologischer Sicht, manifestieren sich primitivste Triebe als Antrieb solcher Handlungen. Allein die Tatsache, dass Räder auf der Fahrbahn fahren, bringt einige Autofahrer in Rage. In Foren liest sich das so: »Ich hupe Radfahrer immer an, wenn sie so ein Verhalten an den Tag legen.« oder »Das mach ich auch. Wenn sie sich erschrecken ist es besonders lustig.« Ha ha! Wenn sich im Netz Anleitungen finden, wie man die Auto-Scheibenwaschdüsen auf der Beifahrerseite so einstellt, dass neben dem Auto radelnde »getauft« werden, dann mag dies noch als Kinderei verbuchbar sein. Wenn hingegen aber ein Unfall zwischen Auto und Rad im ›Freaksearch-Forum‹ mit »Haste nachgetreten? Finalen Rettungsschuss angesetzt? Zwei Warnschüsse in den Rücken? Radfahrer muss man ausrotten, wo immer und wann immer man sie trifft.« kommentiert wird, dokumentiert dies schlicht Dummheit ebenso wie Verrohung und macht klar, dass solch ein Mensch niemals die Erlaubnis hätte bekommen dürfen, ein Fahrzeug zu lenken, mit welchem er so leicht sehr großen Schaden anrichten kann.

Mag solch dokumentierter Mangel an sozialer Intelligenz vielleicht keine Allgemeingültigkeit bekunden, ist dieses defekte Denken und Fühlen dennoch in seinen diversen Abstufungen täglich ortbar. Es geht um viel: Es ist die letzte Bastion gefühlter und durch die Werbung der Autoindustrie eingetrichterte Freiheit/Freiraum in Gefahr – je länger Autofahrer hinter einem Fahrrad herfahren müssen, desto gereizter reagieren sie beim Überholen oder beim Zusammentreffen an der nächsten Kreuzung. »Überholen, Vollgas geben und schön einräuchern.«, ist die Strategie eines ›Motor-Talk‹-Teilnehmers. Wenn sich das schlichte Gemüt in seiner persönlichen Freiheitsausübung eingeschränkt fühlt, wird es zum Arschloch gegenüber dem anderem, und die Tatsache, dass die persönliche Freiheitsausübung durch einen vermeintlich schwächeren eingeschränkt wird, ist derbei das Startsignal zum (dummen) Handeln. Was weit verbreitet fehlt, ist Gelassenheit, welche im täglichen Konkurrenzhandeln dieser Gesellschaft zwangsläufig auf der Strecke bleibt.

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Der Blick auf das Armaturenbrett bringt den Blick in die Geisteswelt des Besitzers. Wie muss Mensch ticken, um so etwas cool zu finden?

Dass all diese »erzieherischen Maßnahmen« durch den Autofahrer am Radfahrenden häufig nicht nur gefährlich sind, sondern auch strafrechtliche Relevanz haben, wird von Rechtsexperten und Polizei immer wieder betont – Autofahrer werden vor solchem »Maßnahmen« gewarnt. Aber auch ganz allgemein hat sich die veränderte Rechtssituation im Straßenverkehr für den Radverkehr noch nicht bei allen Autofahrenden herumgesprochen: Jeden Tag zeigt sich, wie viele von ihnen bis heute denken, dass Räder jeden Radweg zu benutzen haben, direkt neben dem Kantstein zu fahren haben oder das Radschutzstreifen grundsätzlich vom Auto befahren werden dürfen usw.

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Mir gehört nicht nur die Fahrbahn, sondern die ganze Stadt. Wenn der SUV gesaugt werden will, dann rollen die Panzer eben auch auch den Gehweg.

Die Frage die sich der Radfahrerin und dem Radfahrer stellt ist, wie wir auf all dies reagieren sollen. Wie sollen wir cool und freundlich bleiben, wenn wir Tag ein Tag aus entweder aus Unüberlegtheit oder gar aus Vorsatz in für unser Leib und Leben gefährliche Situationen gebracht werden? Dem Arschloch den Spiegel abtreten oder ihm zeigen, dass radelnde Menschen in der Regel fitter und sportlicher sind bringt nichts und es würde zudem bedeuten, sich auf dieses Homo neanderthalensis-Niveau zu herab zu begeben. Was also sollen wir tun?

Konsequentes Handeln auf allen Ebenen

Wollen wir intelligent handeln, bleibt uns nur, unsere Rechte konsequent einzufordern, dafür einzutreten und über sie aufzuklären – ob auf unseren täglichen Touren oder im Gespräch. Aber nicht nur das – gleichfalls sind wir gegen die Untaten der Blech-Panzer nicht schutzlos: Die Rechtslage steht eindeutig zu unseren Gunsten. Hier die ganz klare Ansage: Nutzt das Recht aus, steht ein für euer Recht! Werdet ihr genötigt und oder gefährdet, stellt einen Strafantrag (Aufforderung zur Strafverfolgung) wegen Nötigung im Straßenverkehr, Gefährdung des Straßenverkehrs und aller in Frage kommenden Tatbestände bei der Staatsanwaltschaft oder der Polizei! Auf jeden Fall solltet ihr dies tun, wenn ihr zu zweit oder noch mehr Zeugen seid – vielleicht habt ihr sogar noch ein Foto vom Fahrzeug gemacht. Schildert den Sachverhalt, benennt die Zeugen und stellt am Ende als Geschädigte einen Antrag gemäß § 406d Abs. 1 StPO und bittet um die Mitteilung des Geschäftszeichens, die telefonische und schriftliche Erreichbarkeit des zuständigen Sachbearbeiters bzw. Sachbearbeiterin und die Mitteilung über den Fortgang und Ausgang des Verfahrens.

Den strafrechtlichen Weg zu gehen ist kein Hexenwerk und bringt zwei gewinnbringende Aspekte mit sich, die nicht zu unterschätzen sind! Zum einen wird der Beschuldigte oder die Angeklagte mit dem eigenen Handeln, ganz gleich des Ausgangs des Verfahrens, unangenehm konfrontiert und kommt vielleicht (auch nur) so zur Einsicht über das eigene Fehlverhalten – und sei es nur durch Strafe oder der Angst vor Strafe. Zum anderem zeigt ein verstärktes Aufkommen solcher Fälle den Strafverfolgungsbehörden auf, dass hier Handlungsbedarf besteht und seitens Polizei, Ordnungsämter und ggf. durch Politik und öffentliche Organe präventiv mehr getan werden muss, um solcherlei gefährlichen Fehlverhalten entgegen zu treten.

Wichtig ist halt, dass wir handeln! Handeln heißt aber ebenfalls mit gutem Beispiel voran zu gehen: Wir wollen keine Räder auf Gehwegen sehen – hier werden die noch ungeschützteren, die zu Fuß gehenden, durch uns gefährdet. Ebenso wollen wir keine Rad-Rambos sehen, die sich genau so asozial verhalten, wie die motorisierten Spatzengehirne (auf euch können wir verzichten!). Geht mit gutem Beispiel voran, fahrt defensiv und rücksichtsvoll, zeigt mit jedem Pedal-tritt, dass ihr die cooleren, sozialeren und besseren seid! Haltet die rudimentären Verkehrsregeln ein (ja, natürlich wissen wir es – viele Regeln die für den Autoverkehr gemacht sind, sind für den Radverkehr tatsächlich unsinnig – dennoch schreiben wir dieses) – nur so können wir vorteilhaft Werbung für das Radfahren machen!

Wir wollen die Welt positiv verändern – reclaim the streets!

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Mehr als nur eine Art der Fortbewegung – es ist eine Lebensart die immer mehr angesagt ist. Sei aktiv, sei ein Teil der Zukunft!

Rückschau auf die August – Critical Mass

augustmassDie August – Critical Mass ist gelaufen. Regenfrei. Mehr noch. Sonne und Wärme gabs auch dazu. Gezählt wurden 273 Fahrerinnen und Fahrer – alle lebten abermals gemeinsam eine lebenswerte Stadt. Wie stets von Jung bis Alt.

Es war eine sommerliche Mass. Endlich. Lauter entspannte Menschen auf Rädern, zu Fuß und in der Regel auch in den Blechkisten. Viele nette Gespräche untereinander, Fahrerinnen mit Fahrern, Fahrer mit Fahrerinnen und von überhaupt von links nach quer. Ein besonderer Dank gilt den Musik-Rädern und natürlich auch den unermüdlichen Corkerinnen und Corkern, die den Zug absichern! Danke, Freunde!

Zur Strecke

Nach längerer Zeit besuchte die Mass mal wieder lang und ausgiebig das Ostufer – über die Gablenzbrücke, Karlstal, den gesamten Ostring, Franziusalle, Poppenrade vorbei an HGG und den Beruflichen Schulen Gaarden, auf die Preetzer Straße und direkt über diese und Kaistraße wieder runter/rein in die City auf dem Westufer. Hier ging es weiter über den Wall, Kiellienie, Querung der Feldstraße in die Mercatorstraße und über die Holtenauer Straße wieder zurück Richtung Süden Richtung in die Innenstadt. Noch ein Schwenk in den Knooper Weg um letztlich zum Ende über Schützenwall, Kronshagener Weg, Ziegelteich und Sophienblatt wieder zum Startpunkt zurück zu gelangen.

Eines noch

Wer ab und an mal am Ende des Zuges mitfährt, erlebt mitunter interessante Phänomene – Autos, insbesondere aber Motorroller oder gar Motorräder, welche hinter dem Zug/Verband herfahren, aber natürlich nicht zum Zug/Verband gehören, bleiben nicht an ›roten Ampeln‹ stehen, welche der Zug/Verband selbst ja als »ein Fahrzeug« überfahren darf, sofern das Führungsfahrrad des Zuges die Kreuzung bei (ursprünglich) »grün« passierte. Nein, unsere motorisierten Freunde gleiten einfach mit dem Zug/Verband über (für sie) rot – und begehen somit definitiv eine Ordnungswidrigkeit, welche in diesem Falle, da die Ampel idR meist schon länger als 1 Sekunde »rot« zeigt, mit 200 Euronen und 2 Punkten in Flensburg als Minimum geahndet wird. Bleibt also besser stehen versucht schon gar nicht in den Zug einzufahren, da dann nämlich noch »mit Gefährdung« hinzukommt! Noch mal zum Mitschreiben: »Mehr als 15 Radfahrer stellen zusammen grundsätzlich einen geschlossenen Verband dar. Dieser muss genau wie ein geschlossener Verband aus Kraftfahrzeugen vom übrigen Verkehr als einzelner Verkehrsteilnehmer behandelt werden, die Radfahrer dürfen nebeneinander fahren und nicht überholt werden. Das Einfahren in einen solchen Verband ist verboten.«

Wir freuen uns schon heute auf den 30. September!🙂

Kommentare sind immer gern gesehen und wer möchte kann gern Fotos schicken (oder an/auf die Facebook-Site).

Zu kurz gedacht – Fahrradschutzstreifen

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Gängige Praxis: Der Fahrradschutzstreifen wird vom Auto mit befahren – gemäß dem Selbstverständnis vieler Autofahrer (hier absichtlich nur die maskuline Form), dass die Fahrbahn dem Kraftfahrzeug gehört.

Es ist erstaunlich. Nach eigenen Erfahrungen und Erfahrungen vieler anderer Fahrradfahrender wenden 99 Prozent der KFZ-Nutzenden die Regelungen und Bestimmungen bzgl. des ›Fahrradschutzstreifens‹ nicht richtig an – sie befahren den ›Fahrradschutzstreifen‹ mit ihren Autos grundsätzlich mit, sofern sich auf dem Schutzstreifen kein Radverkehr bewegt, bzw. angenommen wird, dass sich dort kein Radverkehr bewegt. Aber genau letzteres ist der springende und gefährliche Punkt – hier wird eindeutig zu kurz gedacht.

Was ist ein ›Fahrradschutzstreifen‹?

›Fahrradschutzstreifen‹, auch »Angebotsstreifen« genannt, sind von der Fahrbahn durch eine unterbrochene Linie abgetrennte, zumeist schmale Streifen am rechten Fahrbahnrand, die mit Fahrradsymbolen gekennzeichnet sind. Diese Schutzstreifen wurden 1977 mit Zeichen 340 (Leitlinie) in § 42 Abs. 6 Nr. 1 g StVO eingeführt – sie sollen Radfahrerinnen und Radfahrer schützen.

Wichtig zu wissen ist, dass dieser den Radverkehr schützende Raum von anderen Fahrzeugen ›nur bei Bedarf‹ befahren werden darf! Die durchgängige Nutzung als Fahrstreifen ist daher ausgeschlossen! Der amtlichen Begründung lässt sich ziemlich eindeutig entnehmen, dass die (Mit)Benutzung des Fahrradschutzstreifens durch andere Fahrzeuge nur eine eng begrenzte Ausnahme darstellen darf:

»Für Ausweichbewegungen im Begegnungsverkehr kann der Schutzstreifen durch den Kraftfahrzeugverkehr mitbenutzt werden, wenn auch unter besonderer Vorsicht. Die Abmarkierung solcher Schutzstreifen setzt deshalb aus Gründen der Verkehrssicherheit voraus, dass sich solche Ausweichvorgänge auf eher seltene Fälle beschränken

Es ist also klar – Autos haben auf dem Fahrradschutzstreifen nur etwas zu suchen, wenn sie Gegenverkehr ausweichen müssen. Da aber der abzüglich des Schutzstreifens verbleibende Fahrbahnteil so breit sein muss, dass sich zwei Personenkraftwagen gefahrlos begegnen können, ist eine Mitbenutzung des Schutzstreifens eigentlich nur dann notwendig, wenn ein breiter Lastkraftwagen oder Bus als Gegenverkehr auftaucht – dennoch wird der Fahrradschutzstreifen fast grundsätzlich von Autos mitbefahren, egal ob PKW-Gegenverkehr, oder auch bei gar keinem Gegenverkehr.

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Ob Gegenverkehr oder kein Gegenverkehr – das gleiche Bild: Die Fahrbahn gehört mir.

Wo liegt das Problem?

Nun kann ja durchaus argumentativ die Frage gestellt werden, wo denn im praktischen Sinne ein Problem vorliegt, wenn ein Fahrradschutzstreifen durch ein Auto mit befahren wird, wenn dort kein Radelnder auszumachen ist. Dies mag vordergründig richtig erscheinen, ist aber hier definitiv zu kurz gedacht. Die amtlichen Regelungen ergeben durchaus Sinn und es ist tatsächlich durchaus sinnvoll und erstrebenswert, dass Fahrradschutzstreifen eben nicht generell durch den motorisierten Verkehr mit benutzt werden – denn die (meist tödliche) Katastrophe ist da, wenn ein Radfahrender versehentlich übersehen wird, und eben nur angenommen wird, der Fahrradschutzstreifen wäre frei!

Das die Möglichkeit des »Übersehens« eben nicht als extrem unwahrscheinlich einzustufen und nicht von der Hand zu weisen ist, wissen alle, die selbst auch Auto fahren:

Ob irritierende Schatten-/Sonnenwürfe durch Astwerk auf die Fahrbahn, tiefstehende, blendende Sonne, Regen, Dunst, Dunkelheit und all dies noch stark verstärkend verdreckte oder gar zerkratze Scheiben, ebenso wie beschlagende oder (Teil)vereiste Scheiben, ein möglicherweise defektes Rücklicht, etc. sind nicht eben selten. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind Ablenkungseffekte der Autofahrenden durch Musik, Nachrichten, Telefonate, SMS usw. usw.

Wer als Autofahrender ehrlich ist, muss zugeben, dass dies Fakten sind, die Gewicht haben – ein Rad kann schnell übersehen werden. Wo man meint da wäre keiner, kann eben doch einer sein. Und Gewicht hat ebenfalls das Fahrzeug – ein Zusammenstoß von 1,5 Tonnen Autostahl mit einem ungeschützten Radfahrenden, endet meistens tödlich für letzteren. Ein solcher Unfall zertört nicht selten ganze Familien, sondern meist auch das Leben des Unfallverursachenden selbst, denn Entschuldigungen ziehen nicht, da die Regelungen bzgl. des Fahrradschutzstreifens eindeutig sind – weder vor dem Richter, noch vor sich selbst.

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Der Platz reichte locker für zwei KFZ mit 50 km/h aneinander vorbei zu fahren….

Das Fazit kann nur sein

Genau deswegen sollten Fahrradschutzstreifen tatsächlich nur bei echtem Bedarf durch LKW-Gegenverkehr etc., und dann unter ganz besonderer Vorsicht, durch den Kraftverkehr befahren werden! Nur durch eine solche grundsätzliche, zur Gewohnheit erwachsene Nutzungsweise, werden Fahrradschutzstreifen ihrem Namen tatsächlich gerecht und können den Radlerinnen und Radlern ein Gefühl der Sicherheit geben – sie fühlen sich selbst auf die Gefahr hin, dass sie vielleicht einmal komplett übersehen werden, auf den für sie reservierten Fahrbahnbereich sicher! Dieses Sicherheitsgefühl kann aber auch eben nur dann entstehen, wenn durch das Verhalten der Autofahrenden immer wieder von neuem gezeigt wird, dass sie den Fahrradschutzstreifen als Sicherheits-Refugium grundsätzlich respektieren – und nicht nur dann, wenn es ihnen meint zu belieben!

Ebenfalls zu bedenken ist, dass Radlerinnen und Radler auch auf einem Fahrradschutzstreifen nicht zu nahe am Fahrbahnrand bzw. im Aufklappbereich von Türen abgestellter Fahrzeuge fahren müssen! Durch die Rechtsprechung bestätigte Sicherheitsabstände zu Gehwegen und Kantsteinen sind 80 bis 100 cm, und zu parkenden Fahrzeugen einen bis zwei Meter! Können diese Abstände auf dem Fahrradschutzstreifen nicht eingehalten werden, kann der Radverkehr also auch durchaus mal auf der gestichelten Linie oder manchmal eben auch zumindest zeitweilig links neben der gestichelten Linie fahren.

Fahren Sie daher bitte mit gutem Beispiel voran – zeigen Sie anderen, wie man richtig fährt und klären Sie auch andere Autofahrerinnen und Autofahrer über die Bestimmungen, und auch warum diese Bestimmungen tatsächlich begründet und sinnvoll sind, auf! Es gibt diesbezüglich viel zu tun. Vielen Dank!

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Tatsächlich ausreichend Platz. Seien Sie bitte ein gutes Beispiel (Fahrzeug im Vordergrund)!

Jede Menge dicke Luft

Die meisten von uns sind schon lange mehr als sauer – in den Städten gibt es zu viel Stickstoffdioxid. Durch diese Abgase sterben jedes Jahr tausende Menschen – die Verursacher aber bleiben desinteressiert und denken nicht einmal im Traum daran, ihre (auch für sie) schädlichen Gewohnheiten zu überdenken. Wo Vernunft nicht von alleine kommt, muss (leider) angeordnet werden. Doch die Politik bleibt tatenlos.

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Ein Stadtbummel zu zweit. Wunderbar.

Viele Stadtbewohner sind mit dem Rad unterwegs – anders als Pendler, die selbst im Grünen wohnen und einen guten Teil der Emissionen in den Städten verursachen. Wir auf dem Fahrrad müssen bei dem ganzen Spiel besonders viel Dreck einatmen – das ergaben Messungen von Greenpeace: Auf Radwegen wurden Stickstoffdioxid-Werte bis 500 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (!) gemessen – der zulässige Grenzwert von 40 Mikrogramm wurde also um ein Vielfaches überschritten. Das ist stark gesundheitsgefährdend.

Stickstoffdioxid ist sehr giftig und wird in geringen Konzentrationen kaum wahrgenommen. Stickstoffdioxid macht krank. Eingeatmetes Stickstoffdioxid löst Kopfschmerzen und Schwindel aus, höhere Konzentrationen verursachen Atemnot und führen langfristig zu Lungenödemen. Wird Stickstoffdioxid in Konzentrationen von 40–100 µg/m3 über längere Zeit eingeatmet (wie in unseren Städten), kommt es zwangsläufig zu gesundheitlichen Schäden: Asthma und Bronchitis, das Herzinfarktrisiko wird erhöht und es steigert die Todesrate. All dies ist wissenschaftlich eindeutig belegt.

In Städten sind es vor allem Dieselfahrzeuge, die das giftige Gas ausstoßen. Besonders betroffen sind Kinder und ältere Menschen, die an viel befahrenen Durchfahrtsstraßen wohnen. Und als hätte man es geahnt – der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm ist darüber hinaus sowieso strittig: Die Weltgesundheitsorganisation forderte unlängst, ihn um die Hälfte zu senken, auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Für Deutschland geht die Europäische Umweltagentur (EEA) von rund 10.000 Todesfällen pro Jahr durch Stickstoffdioxide aus und nebenher führt all dies natürlich zu beträchtlichen ökonomischen Problemen durch hohe Kosten für medizinische Versorgung und Arbeitsausfälle.

Es muss etwas geschehen. Wir haben die Lungen und die Schnauze voll. Was bringen uns die schönsten Radwege, wenn neben uns munter und ohne Scham weiter vergast wird? Die Ignoranz des Autfahrenden kann zum Hassobjekt werden. »Langfristig ist es wichtig, dem Autoverkehr Platz wegzunehmen«, sagt BUND-Verkehrsexperte Hilgenberg. »Sowohl auf der Fahrbahn als auch bei den Parkplätzen.« Nur dann werde sich etwas ändern, wenn das Autofahren unbequemer wird als das Benutzen von Bus, Bahn, E-Bike oder natürlich das Fahrrad.

Nur, dazu braucht die Politik auch einen Arsch in der Hose.

Quelle: freitag.de

Ost-West in Kiel, Teil II

Im ersten Teil über die großteilig mangelhafte Radverkehr-Ost-West-Verbindung in Kiel ging es um die beiden zur Hörn führenden und ineinander übergehenden Straßen auf dem Ostufer ›Schönberger Straße‹ und ›Werftstraße‹. In Teil II widmen wir uns der Hörn-Umrundung selbst, die leider auch nur als halbfertiger Murks zu bezeichnen ist.

(Eines noch vorweg: Bitte schaut euch auch die Fotoreihe  〈17 Bilder〉 zur Veranschaulichung des Textes am Ende des Beitrages an!)

Wer sich also vom Ostufer, sagen wir vom Geomar in Wellingdorf, über die ›Schönberger Straße‹ und anschließend über die ›Werftstraße‹ bis in die Sichtweite der›Hörn‹, entweder auf den zuvor genannten Straßen Fahrbahnen fahrend durch den Verkehr oder auf den zum Teil üblen »Rumpelradwegen« (ohne Benutzungspflicht!) neben den beiden Straßen Fahrbahnen gekämpft hat, der steht mit der nun anstehenden »Hörnumrundung« über den »Querkai«, oder alternativ dazu die »Hörnüberquerung« über die Hörnbrücke, bzw. die sogenannte »Klappbrücke«, vor einem Konstrukt fragmentärer, radverkehrsplanerischer Halbergebnisse.

Eine gute Zufahrt zur Hörn braucht auch eine gute Hörn-Umrundung/Querung

Selbst wenn die Ostuferzufahrtswege zur Hörn gemäß der Vorschläge aus dem ersten Teil umgesetzt werden würden – ohne eine sinnvolle Hörn-Lösung, für eine zügige und hindernissarme Hörnumrundung bzw. Hörnüberquerung, bringt das den Ost-West-Radverkehr in Kiel nicht wirklich weiter. Die Hörn bliebe das Nadelöhr!

Nachdem ich heute Nachmittag die Situation vor Ort noch einmal genauer betrachtet habe, wäre für mich die sinnvollste Lösung ein Radschnellweg um die Hörn herum. Hier gibt es bereits durchaus gute, vorhandene Ansätze, die man nutzen könnte. Alternativ könnte die etwas kürzere Route über die Brücke ja bestehen bleiben, obwohl hier zu beachten ist, das die Brücke ein Fußweg ist, der lediglich für Radverkehr freigegeben ist und somit der Radverkehr nach der StVO eigentlich Schrittgeschwindigkeit fahren müsste…

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Das ist die Strecke, um die es geht. Die rote Linie stellt die (geplante) Schnellroute dar, die grüne die Abkürzung über die Hörnbrücke.

Also bitte noch einmal in Richtung Stadtplanung: Sorgt für eine schnelle Verbindung von Ost nach West und ihr werdet sehen, der Radverkehr wird auch in Kiel deutlich zunehmen, da das Ostufer mit seinen durchaus weiten Anfahrtwegen auch für das Rad deutlich attraktiver wird. Schaut nach Kopenhagen oder Amsterdam – genau so wurde es dort gemacht: Die Radverbindungen so attraktiv machen, dass man schon ziemlich schlapp und tranig sein muss, wenn man diese nicht nutzt!

Macht jetzt die schnelle Ost-West-Verbindung in Kiel perfekt!! Danke im Voraus im Namen aller Radlerinnen und Radler.

 

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Bild 1: So kommt man über die Werftstraße auf dem Radweg an die Abbiegung „Gaardener Ring“, welcher rechts ab Richtung Hörn führt. (Auf dem Radweg deswegen, weil das letzte Stück Radweg, ab der Einfahrt zum Norwegenkai, sehr gut ausgebaut und somit benutzungspflichtig ist.)
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Bild 2: Ist man dann den Gaardener Ring entlang gefahren, kann man, wenn man will, rechts die Abkürzung über die Hörnbrücke nehmen (grün). Die Rote Linie zeigt die angedachte Schnellwegverbindung für höhere Geschwindigkeiten. (Hier muss allerdings angemerkt werden, dass die angedachte Schnellwegverbindung im Moment die deutlich schlechtere Wahl ist! Mehr dazu ein paar Bilder weiter.)
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Bild 3: An der Abzweigung zur Hörnbrücken-Abkürzung – ein Nadelör. (Bitte beachte die Position der angebrachten Fahrradbügel!)
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Bild 4: Fährt man die Hörnbrückenabkürzung, gelangt man über diese Abfahrt zum „Am Germaniahafen“, welche zur Brücke führt.
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Bild 5: Gleiche Position wie beim Foto zuvor, nur um 90° nach rechts gedreht: Blick in „Am Germaniahafen“. Hier kann man zwei Wege nehmen. (Gelb eingekreist im Hintergrund die Hörnbrücke.)
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Bild 6: An der Hörnbrücke angekommen. Hier noch rüber und man ist auf dem Westufer. Das ist im Moment nicht nur der kürzeste, sondern auch der „beste“ Weg über/um die Hörn. (Eingekreist der Hinweis, dass die Hörnbrücke ein Fußweg ist und Fahrräder nur „frei“ sind, was nach der StVO bedeutet, dass nur „Schritttempo“ gefahren werden darf!) Im Hintergrund von links kommend, bereits auf dem Westufer verlaufend (dünne rote Pfeile), der angedachte Radschnellweg.
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Bild 7: Ungefähr von der gleichen Position wie beim vorigen Bild, nur um 180° gewendet. Noch mal ein Blick auf den Verlauf der Abkürzungsroute.
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Bild 8: Zurück zur Abzweigung Radschnellweg/Abkürzung (Bild 2 und 3). Fährt man den geplanten Schnellweg gerade aus weiter, findet man bereits einen sehr gut ausgebauten Radweg vor. Hier muss eigentlich gar nichts mehr gemacht werden. Schnelle Fahrt möglich. Fein.
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Bild 9: An der Halle 400 angekommen, heißt es rechts abbiegen, Richtung Hörn. (Das rote Gebäude ist die Halle 400).
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Bild 10: Und weiter geht die Schnellfahrt auf einem sehr gut ausgebauten Radweg an der Halle 400 entlang (linke Seite).
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Bild 11: Und dann – am Ende der Halle 400 angelangt, ist Schluss mit lustig und „schnell“ ist schon gar nicht mehr! Man hat nicht nur die Hörn vor Augen, sondern auch jede Menge Kopfsteinpflaster… (Im Hintergrund bereits auf dem Westufer, mit den dünnen roten Pfeilen, der weitere Streckenverlauf des angedachten Radschnellweges.)
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Bild 12: Dreht man sich am Ende des Weges an der Halle 400 (siehe Bild zuvor) nach links, sieht man den Reifentod für Rennradfahrer. Die weitere Strecke daher nur noch gepunktet, weil man das wirklich nicht mehr Strecke nennen kann. Für Fahrradfahrer ist dies eine Zumutung. //Erweiterung vom 3.8, 17:20 Uhr: Ob hier der Radweg tatsächlich endet, wie Jasmin auf Facebook bemerkt, und der Rest der angedachten Schnellwegstrecke ein Fußweg ist, möchte ich bezweifeln, da zum einen die Beschilderung fehlt (Zeichen 239). Auf dem Westufer hingegen, dem „Bahnhofskai“ (Bild 16), findet sich allerdings Zeichen 241 – also doch Fahrradweg. Also wenn überhaupt, käme Jasmins Feststellung nur für den Bereich „Querkai“ in Frage.
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Bild 13: Ab hier ist zudem Route-Raten angesagt. Fährt man an zwei vorhandenen Abfahrten vorbei, muss man einen Umweg fahren…. (rechts zu sehen die Hörn, hinten der Hörn-Campus am „Querkai“, an dem der weitere Streckenverlauf mit dünnen roten Pfeilen markiert ist.) 
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Bild 14: Hat man eine der Abfahrten gefunden, kommt man von unten. Hat man sie nicht gefunden, muss man die Treppen nehmen oder hinten herum fahren… (Rechts ab, geht es über den „Querkai“ rüber aufs Westufer.)
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Bild 15: Der „Querkai“ – linke Seite Hörn-Campus, rechte Seite die Hörn selbst. Die dünnen roten Pfeile zeigen bereits den weiteren Verlauf der angedachten Radschnellstrecke auf dem Westufer. (Gelb markiert sind regelmäßig eingelassene Kopfsteinplaster-Linien, welche Rennradfahrer besonders fröhlich stimmen.)
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Bild 16. Ist man auf dem Westufer angekommen, fährt man rechts ab und dann geht es über den „Bahnhofskai“ zum Rendez-vous-Punkt mit der Abkürzungsstrecke über die Hörnbrücke (grünes und rotes Kreuz). Grün eingekreist ist übrigens die Hörnbrücke. Gelb eingekreist die Pfalsterstein-Freude aller Rennradfahrer, die auch hier diese etwa alle 20 Meter ins Schritttempo zwingen.
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Bild 17: Nahaufnahme der Kopfsteinpflastereinlässe – echt nervig!
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Bild 18: Noch einmal die beiden beschriebenen Wege auf der Karte. Der angedachte Radschnellweg ist zwar länger, aber bis zum Ende der Halle 400 bereits excellent ausgebaut – gar keine Frage. Ich denke, wäre der Weg um die gesamte Hörn so ausgebaut, wäre dieser für mich wohl meist erste Wahl, auch wenn dieser weiter als über die Klappbrücke ist. Das ist aber reine Geschmackssache.

Anregungen und Kommentare sind Willkommen!

Ost-West in Kiel

In Kiel haben wir ein besonderes, verkehrstechnisches Problem – die Kieler Förde. Wer vom Ostufer aufs Westufer (also die Innenstadt) gelangen will (und natürlich umgekehrt), muss einmal um die Förde herum fahren. Während auf dem Westufer die Fahrradwegstruktur entlang der Förde recht gut ausgebaut ist, ist dies auf der Ostuferseite entlang der ›Schönberger Straße‹ und übergehend in die ›Werftstraße‹ zum Teil leider nicht der Fall. Sollen aber wie auch durch die Stadt Kiel vorgegeben viele Menschen auf das Rad umsteigen, dann müssen schnelle Fahrradrouten angeboten werden – sonst wird das nichts!

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So könnte es aussehen. Auf beiden Seiten breite Fahrradspuren, farblich abgesetzt. 30 km Höchstgeschwindigkeit für Autos für gleichmäßigen Verkehrsfluss, weniger Abgase und Lärm und kaum Geschwindigkeitsunterschiede zu den Radfahrenden für optimalen Unfallschutz. (Werftstraße Richtung Hörn, bzw. Innenstadt, kurz hinter der Abzweigung Elisabethstraße. Rechts im Bild das Werftgelände, im Hintergrund ist der auf der anderen Seite der Förde stehende Rathausturm zu sehen.)

Die Diskussion ist ja bereits in Gange. Die ›Werftstraße‹ soll umgestaltet werden und schnelle Fahrradspuren angelegt werden. Dies wird allerdings bisher von den üblichen Verdächtigen mit den immergleich-einseitigen Nichtargumenten blockiert. Statt es richtig zu machen, pranken stattdessen große Schilder rechts und Links der Route, dass ›Fahrradfahrer auch die Fahrbahn benutzen dürfen‹. Allerdings benötigen Radfahrende bei diesem Akt mitunter starke Nerven, denn im Verständnis des Autoverkehrs gehört die Werft- und Schönberger Straße noch immer ihnen allein – trotz riesen Beschilderung.

Erstaunliche Selbstversuche

Wer allerdings mit dem Fahrrad einmal konsequent auf der Werftstraße und Schönberger Straße fährt, macht die wirklich erstaunliche Erfahrung, wie schnell die Strecke von der Höhe ›HDW-Einfahrt‹ in Gaarden bis zum ›Geomar‹ in Wellingdorf (in diesem Bereich existiert keine Radwegbenutzungspflicht) zurückgelegt werden kann. Ich habe es mehrfach getestet, zu unterschiedlichen Tageszeiten. Das Ergebnis hat mich absolut erstaunt, denn durch die vielen Ampelkreuzungen offenbart sich tatsächlich kein signifikanter Zeitvorsprung für Verbrennungsfahrzeuge gegenüber dem Fahrrad und somit gibt es für sehr viele schlaffe »Bequemos« auch kein Argument mehr pro Auto. Am Tag beispielsweise (Vormittags gegen 11:00 Uhr) fuhr ich die Strecke in nicht mal 10 Minuten, am Abend (gegen 21:00 Uhr) sogar in nur 7 Minuten – ohne zu rasen, wenngleich zügig.

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Auch hier die im Bild zuvor beschriebene Verkehrsführung. (Werftstraße Richtung Wellingdorf, etwa auf Parallelhöhe der Prinzenstraße). Bitte beachtet die Parksituation auf der linken Seite – hier ist der Fußweg komplett durch Autos zugeparkt. Fußgänger und Radlerinnen teilen sich einen viel zu schmalen Streifen, zudem besteht große Gefahr durch „Dooring-Unfälle“.

Genau hier liegt der Hund begraben. Die meisten Radlerinnen und Radler trauen sich nämlich nicht auf der Schönberger Straße und der Werftstraße zu fahren und radeln daher aus Furcht vor viel zu schnellen Autos auf den zum Teil sehr engen, holprigen und zugeparkten Geh/Radwegen – zwangsläufig im Slow-Modus. Bitte versteht mich nicht falsch – nicht dass ich etwas gegen Slow-Motion habe, im Gegenteil, aber manchmal ist eben auch zügig angesagt und könnte eine solche Fahrweise durchweg auf dieser Route umgesetzt werden, dann schmilzt das Entfernungmonster von Ost nach West zu einem Witz zusammen.

Nicht nur reden – machen!

Also Stadtplaner – tut endlich etwas! Zeigt, dass ihr »Mumm in den Knochen« habt und lasst den schönen Worten endlich Taten folgen! Wer predigt, dass das Klima geschützt, die Stadtluft von Stickoxyden etc. und Feinstaub befreit werden soll und die radfahrenden Menschen gesünder werden, der muss auch handeln. Stellt die konservativen Blockierer mitsamt ihrer Steinzeit-Verkehrsidelogie an den Pranger – wir sind dabei gern behilflich. Ich wette »sonstwas von« darauf, dass wenn die Wege erstmal da sind, dass sie auch eifrig und schnell zunehmend genutzt werden!

Macht jetzt die schnelle Ost-West-Verbindung in Kiel perfekt!! 

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Wollen wir nicht mehr sehen! Verschenkter Raum und Bevorzugung des stinkenden Verkehrs, welcher zudem auf der Route grundsätzlich viel zu schnell fährt – Tempo 70 ist hier durchweg Programm. Die Radstreifen sind viel zu schmal und in gefährlicher Konfrontnationsnähe mit den zu Fuß gehenden – eine Berührung und der Radler landet vor dem nächsten Tempo-70-Auto auf der Straße.
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Auch hier – Verkehrsplanung aus dem letzten Jahrhundert. In die Mülltonne damit.

Rückschau auf die Juli – Critical Mass

Die Juli – Critical Mass ist gelaufen. Etwa 170 – 200 Fahrerinnen und Fahrer (geschätzt) lebten gemeinsam die lebenswerte Stadt. Wie immer von Jung bis Alt.

Jede Mass ist anders, auch von der Atmosphäre. Im Juli empfand ich es ruhiger, als die Male davor – aber das ist natürlich subjektiv. Allerdings war auch überhaupt weniger los auf den Gehwegen der Innenstadt – Urlaubszeit? Und wie waren die autofahrenden Verkehrsteilnehmer so drauf? Auch diesmal glitten sie im Großen und Ganzen entspannt hinter dem Zug her und waren überwältigt von dem Eindruck der Vernunft: So viele mobile Menschen, die dabei nur so wenig Raum einnehmen (man stelle sich diese Anzahl von Menschen in Fahrzeugen vor, in denen zu 80% nur eine Person sitzt). Einen ganz besonderen Fan hatten wir: Einen älteren, getunten 5er BMW, welcher uns vom Berliner Platz bis fast nach Projensdorf begleitete – sei Willkommen das nächste mal mit dem Bike, mein Lieber!

Leider ein Sturz

Einen Unfall gab es. Einer der jüngeren Fahrer ist ohne Fremdverschulden gestürzt und hat sich dabei an der Stirn mit einer leichten Platzwunde verletzt. Wir hoffen alle, dass es dir gut geht – wenn du das hier lesen solltest, gib doch mal eine kurze Rückmeldung über die Kommentar-Funktion!

Polizei kam zum Zug

Zum Ende der Mass gesellte sich noch ein Einsatzfahrzeug der Kieler Polizei hinzu. Sie fuhren hinten am Zug mit eingeschalteten Blaulicht. Was sicher gut gemeint ist und möglicherweise den ein oder anderen ungeduldigen Verkehsteilnehmer hinter dem Zug die notwendige Entschleunigung eher aufbringen lässt, hat aber auch eine negative Seite, welche die Verantwortlichen der Polizei doch bitte einmal überdenken mögen: Die Anwesenheit von Polizei mit absichernden Charakter nach hinten verleiht der Mass nämlich so etwas wie einen Sonderstatus, den sie gar nicht hat und auch nicht will. Ähnlich einer Demonstration oder ähnlichem. Aber das ist die Mass ja überhaupt nicht, denn die Mass ist absolut legal und eben KEINE Demonstration. Wir nutzen lediglich das Recht, welches uns §27 Abs. 1 der StVO einräumt, als zusammenhängender Verband, als ein Fahrzeug, nebeneinander auf der Straße zu fahren. Mehr nicht.

Wir wissen nicht, warum die Polizei unterstützend erschien – ob sie uns selbst auf Streifenfahrt bemerkten, der Leitstelle meldeten und von dort den Einsatzbefehl der Absicherung des Verbandes bekamen, oder ob verwirrte Autofahrende der Leitstelle Fahrradfahrende auf der Straße meldeten. War es letzteres, dann wäre es doch eigentlich sinnvoller, den verdutzen Fahrzeugführenden mitzuteilen, dass das herrliche Schauspiel, welches sie als Zeuge begleiten dürfen, eine vollkommen legale Angelegenheit ist. Und nebenbei kann die Polizei einen solchen Vorgang auch dazu nutzen, um den Autofahrenden auf sein/ihr Theoriedefizit bzgl. der Kenntnisse der StVO hinzuweisen.

Wie auch immer – die Mass bedarf prinzipiell keiner Polizeibegleitung, auch wenn es nett gemeint ist und sich die Polizei sehr diskret und zuvorkommend zeigte. Der Punkt ist, dass Autofahrende einfach lernen müssen, dass sie nicht das Recht auf Straße gepachtet haben! Auch wenn ihnen dies Automobilindustrie und Werbung von der »freien Fahrt für freie Bürger« stetig suggeriert und in die Birne gekloppt haben. Bürgerinnen und Bürger sind wir aber eben auch – und wir sind darüber hinaus zudem die Klügeren, da wir nachhaltig und umweltbewusst handeln!

Kommentare sind immer gern gesehen und wer möchte kann gern Fotos schicken (oder an/auf die Facebook-Site).

Change the way you move

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Runter von der Straße, Radler! So war bisher die Devise fast überall. (Kiel, Dornbusch)

Seit Jahrzehnten leistet die Automobilindustrie mit einem gigantischen Werbeetat und einer gewaltigen Lobbyistenarmee ganze Arbeit – nicht nur Politiker bringen sich offenbar korrumpiert in Stellung, auch die nachgeordneten Vollzugsorgane der Exekutive wie z.B. die Polizei interessiert es offenar immer weniger, ob bspw. öffentliche Räume für Fußgängerinnen und Fußgänger oder Radfahrende illegal mit Blech zugeparkt werden. Das größte Übel aber ist, dass auch das zunehmend entsolidarisierte gemeine Volk bis heute vollkommen berauscht vom Hirngespinnst »der freien Fahrt für freie Bürger« ist. Zu guter letzt wird all dies protegiert durch Medien, die anstatt diesen ökologischen & ökonomischen Irrsinn kritisch zu hinterfragen lieber die üppigen Werbegelder der Automobilkonzerne für sich verbuchen – ein perfekter Kreislauf.

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Vier breite Spuren für den abgasproduzierenden Verkehr – 80 cm, unebener und überwucherter Weg für den umweltfreundlichen Verkehr. (Kiel, B76, Ausfahrt aus Elmschenhagen)

In den 1970er, 1980er bis in die 1990er Jahre wurde dem radfahrenden Pöbel, also Diejenigen, die sich offenbar kein Auto leisten können und mit ihren Drahteseln den richtigen, echten Verkehr auf der Straße nur behindern, entsprechend einer solchen akulturellen und asozialen Sichtweise entsprechender Platz neben den Fahrbahnen zugewiesen. Aber bitteschön auch hier nicht zu üppig – das könnte ja Parkraum kosten. Erst nach einer langen Dominanzphase der Automobile, wird seit den 2000er Jahren zunehmend anders gedacht – immer mehr Städte proben den Aufstand gegen die mächtige Lobby und stoßen die Autos von ihrem Tron in den Städten.

Solange aber, wie bereits Eingangs erwähnt, noch immer die breite Masse der Menschen im Auto ihr bequemes Heil und ihre heilige Kuh sehen (Krebsgeschwüre durch Abgase wuchern ja nun mal leider nicht sofort aus dem Kopf), bleibt es für vernunftbegabte Menschen ein schwerer Kampf gegen Windmühlen, das Offensichtliche offensichtlich zu machen, nämlich das verstopfte Straßen, ein von fahrenden und ruhenden Autos verschandeltes Stadtbild und hohe Schadstoffbelastung eben nicht nur »durch die anderen« entsteht. Und das heißt für jeden von uns, das eben wirklich jeder von uns fortfahren muss, zu fordern, zu kämpfen, zu wettern, zu pflügen, zu reden und sich abzumühen, bis wir dem »Change the way you move« zum Durchbruch verholfen haben.

Also bleibe am Ball und aktiv! Am 29. Juli ist übrigens die nächste Critical Mass in Kiel… Willkommen dabei!